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Trotz Diebstählen – Bewachte Velostation wird kaum genutzt

Auf Facebook beklagen Bewohner der Stadt, dass ihre Velos am Bahnhof Jona geklaut wurden. Und rufen nach Kameraüberwachung. Die bewachte Velostation steht währenddessen grösstenteils leer.

Pascal
Büsser
04.08.17 - 11:52 Uhr
Leben & Freizeit

Am Bahnhof Jona werden viele Velos geklaut. Diesen Eindruck gewinnt zumindest, wer die Facebook-Gruppe «Du bisch vo Rappi, wenn …» besucht. In mehreren Einträgen der letzten Wochen wird über verschwundene Velos geklagt – obwohl diese abgeschlossen gewesen seien.

Besonders kritisch scheint ein abgelegener Veloabstellplatz Richtung Eichfeldstrasse zu sein. «Frechheit, dort muss unbedingt eine Überwachungskamera hin», fordert eine Nutzerin. Man müsse Druck auf SBB und Polizei machen. «Sonst hört das nie auf.» Eine andere Userin stimmt ihr zu.

Es gibt bereits überwachte Plätze

Die Installation von Überwachungskameras wäre allerdings Sache der Stadt. Präsident Martin Stöckling will davon nichts wissen. «Ich ärgere mich auch, wenn Velos geklaut werden», sagt er. «Aber eine flächendeckende Videoüberwachung wollen wir nicht in der Stadt – das ist nicht kompatibel mit unserem Verständnis einer freiheitlichen Gesellschaft.»

Ausserdem gebe es beim Bahnhof Jona seit rund einem Jahr eine bewachte Velostation. «Diese Dienstleistung kann von allen genutzt werden.» Allerdings tun dies nach wie vor nur wenige. Im Schnitt seien im Tag zwischen 40 und 50 Einstellplätze besetzt, sagt Ibrahim Beyeler von der Velostation – von insgesamt 136.

Velostation senkt nun die Preise

Dabei scheint die Velostation der sicherstmögliche Abstellplatz am Bahnhof Jona zu sein. Auch wenn die Betreiber vom Werk- und Technologiezentrum Linthgebiet (WTL) im Fall der Fälle keine Haftung übernehmen. Sie ist videoüberwacht, mit einer Zutrittssperre versehen und während mehrerer Stunden am Tag betreut. «Bis jetzt wurde bei uns noch nie ein Fahrrad geklaut», sagt Beyeler.

Vorwiegend würden Besitzer von E-Velos oder anderen teuren Fahrrädern die Station nutzen. Einen Grund für den bescheidenen Zulauf sieht Beyeler in den zahlreichen Gratisabstellplätzen direkt an den Gleisen. «Vielleicht überlegt sich ja das eine oder andere Opfer eines geklauten Velos, dieses künftig zu uns zu bringen», meint er. Um einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen, senkt die Velostation nun ihre Preise. Ein Jahresabo ist neu für 120 statt für 150 Franken zu haben. Eine Monatskarte kostet noch 20 statt 30 Franken. Das Zwei-Wochen-Abo bleibt bei zehn, der Tagespass bei zwei Franken.

Täter entkommen meist

Doch gibt es überhaupt eine Häufung von Velodiebstählen in Rapperswil- Jona? «Wir stellen das nicht fest», sagt Gian Andrea Rezzoli von der Kantonspolizei St. Gallen. In den vier Monaten vom März bis Juni seien in der Stadt rund 40 Fahrraddiebstähle gemeldet worden. «Das ist im üblichen Rahmen», so Rezzoli. «Velodiebstahl ist ein Massendelikt.»

Beim Verschwinden von besseren Modellen steckten nicht selten gut organisierte ausländische Banden dahinter. Andere würden eher von Gelegenheitsdieben oder Betrunkenen entwendet, so der Polizeisprecher.

Klar ist: Die Chance, dass ein Velodiebstahl von der Polizei aufgeklärt werden kann, ist verschwindend klein. «Wenn wir Hinweise haben, gehen wir denen nach», versichert Rezzoli. Doch die Aufklärungsquote liegt bei verschwindenden zwei Prozent.

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