×

Wahre Schätze aus dem Abfallsack

Auf den ersten Blick ist der Abfallsack ein stinkendes Bündel, das man möglichst schnell loswerden will. Wüsste man, was tatsächlich alles darin steckt, würde es wohl manch einer lieber behalten, bräuchte dann aber auch modernste Technik.

13.07.17 - 06:47 Uhr
Leben & Freizeit
Von wegen wertloser Müll: Aus einem solchen Sack macht die KVA Linth nicht nur Energie, sie gewinnt daraus sogar Silber und Gold
Von wegen wertloser Müll: Aus einem solchen Sack macht die KVA Linth nicht nur Energie, sie gewinnt daraus sogar Silber und Gold
ARCHIVBILD

In nur einem 35-Liter-Abfallsack steckt soviel Energie, dass man damit vier Jahre lang ein Smartphone aufladen könnte. Oder mit dem E-Bike eine Distanz von 1000 Kilometern zurücklegen – also zum Beispiel von Glarus nach Hamburg fahren. Das jedenfalls rechnen Verantwortliche der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Linth in Niederurnen in einem Infoschreiben vor.

Doch Energie ist nur einer der Schätze, die in Niederurnen gewonnen werden. Denn soweit wie möglich wird der Abfall von rund 250 000 Menschen wieder in Wärme, Energie oder sogar in wertvolle Edelmetalle umgewandelt. Und am Ende bleiben von den jährlich über 110 000 Tonnen Kehricht nur noch 20 Prozent übrig. Eine nicht mehr verwertbare Schlacke, die dann von Niederurnen auf eine gesicherte Deponie im Kanton Uri überführt wird.

Moderne Goldwäscher

Unter den rund 330 Tonnen Kehricht, die in Niederurnen täglich verwertet werden, befinden sich jeweils auch rund zehn Tonnen Metall. Damit Eisen, Kupfer, Silber und sogar Gold nicht verloren gehen, testet die KVA Linth seit eineinhalb Jahren eine Anlage der Firma Lab-Geodur, die auch kleinste Metallpartikel aus dem Hausmüll rettet. Dies unter anderem in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR).

«Das Prinzip ist das Gleiche wie beim Goldwaschen. Durch ständiges Schwenken einer grossen Pfanne setzt sich das schwere Gold in den Fangstufen ab. Die leichtere Schlacke wird herausgetragen – zurück bleiben die feinen Metallpartikel», wird im Infobrief erklärt. Die neue Anlage soll pro Jahr etwa fünf Kilogramm Gold gewinnen.

Neben den Edelmetallen sind aber auch der Energiegewinn und die Abwärme der KVA-Linth ein echter Schatz. Denn drei Tonnen Abfall haben etwa den gleichen Heizwert wie eine Tonne Öl.

Gewächshäuser heizen

Bereits heute nutzt die KVA Verbrennungswärme, um Ökostrom zu produzieren. Auch betreibt sie ein eigenes Fernwärmenetz, das aktuell bis zum Areal der Eternit AG erweitert wird. Im Herbst soll es fertig sein. Die Erweiterung des Netzes Richtung Oberurnen, Näfels, Mollis und Bilten ist in Planung.

Doch ein grosser Teil der Abwärme, die mit einer Temperatur von 40 bis 45 Grad aus der stromproduzierenden Dampfturbine kommt, verpufft noch ungenutzt. Damit würde die KVA am liebsten Gewächshäuser zwischen Niederurnen und Bilten beheizen. Doch das entsprechende Projekt hängt vom Nutzungsplan der Gemeinde Glarus Nord ab, über den im Herbst abgestimmt wird. Bei einem positiven Entscheid könnte ein weiterer Schatz – quasi aus dem Kehrichtsack – gedeihen: Tomaten und Erdbeeren im Herbst oder spezielle Salate im Winter.

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Leben & Freizeit MEHR