Wieder alles voller Müll
Ein Bach in Näfels wird offensichtlich immer wieder zum Mülleimer umfunktioniert. Die Gemeinde
beklagt sich über mangelndes Umweltbewusstsein.
Ein Bach in Näfels wird offensichtlich immer wieder zum Mülleimer umfunktioniert. Die Gemeinde beklagt sich über mangelndes Umweltbewusstsein.
Als Jürgen Landolt das Bachbett des Linthli in Näfels zum ersten Mal vom Müll befreit, ist er noch verwundert über den vielen Unrat im Wasser. Zwei Wochen später, als er das Gewässer erneut inspiziert, wird er dann richtig sauer. Denn der erst kürzlich gereinigte Bachabschnitt gleicht wieder einer Müllhalde.
Wieder macht sich der 49-Jährige mit seiner Lebensgefährtin ans Werk. Grob säubern sie die rund 150 Meter zwischen der Pinselfabrik Hola und der Müller Kartonagen AG erneut. Das Resultat: Zwei Kehrichtsäcke voller Müll. «Wir fragen uns nun ernsthaft, ob nur das kleine Linthli so missbraucht wird oder ob andere Bäche im Glarnerland ähnlich aussehen», schreibt er der «Südostschweiz» verärgert.
«Es ist leider generell so, dass die Leute ihren Müll heutzutage schnell loswerden wollen und ihn dann meist sehr gedankenlos entsorgen», sagt Urs Spälti von der Fachstelle für Umwelt und Verkehr in Glarus Nord dazu. «Unsere Mitarbeiter erleben immer wieder absurde Situationen, die zeigen, dass viele Menschen die Verantwortung für eine saubere Umwelt auf die öffentliche Hand abwälzen.»
Ein Beispiel: Erst kürzlich erzählte ihm ein Mitarbeiter der Strassenreinigung, dass ihm ein Stück Papier einfach vor die Füsse geworfen wurde. Als er daraufhin den Passanten ansprach und sagte: «Da hinten steht ein Mülleimer. Können Sie das Papier nicht dort entsorgen?», bekam er nur die Antwort: «Warum? Sie werden doch dafür bezahlt.»
Kurzsichtige Grundhaltung
Bei vielen herrscht wohl der Gedanke: Die öffentliche Hand macht den Müll schon wieder weg. «Eine kurzsichtige Grundhaltung», findet Spälti. Denn am Ende zahle der Steuerzahler die Reinigung von Strassenrändern und Bächen.
Doch was tun? Mehr Mülleimer an den entsprechenden Stellen würden das Problem nach Meinung von Spälti nicht lösen. Jedenfalls nicht, solange eine falsche Grundhaltung zur Müllentsorgung vorherrsche. Zudem würde damit ein weiteres Problem geschaffen. «Wir haben festgestellt: Je mehr öffentliche Mülleimer es gibt, desto mehr Leute entsorgen darin ihren Hausmüll – weil es gratis ist.»
Um die Situation zu verbessern, schlägt Spälti stattdessen vor, vermehrt wieder mit gutem Beispiel voranzugehen – so wie es Jürgen Landolt getan hat. Und auch Gemeinden und Kanton hätten im Bereich Müllentsorgung einen gewissen Bildungsauftrag: «Es könnten zum Beispiel vermehrt Clean-up-Days mit Jugendlichen und Kindern organisiert werden. «Vielleicht bleibt so etwas beim Nachwuchs hängen», hofft er.
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