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Kettenbriefe auf Whatsapp

Wieder einmal kursieren unter Glarner Jugendlichen gruselige Kettenbriefe. Sie sind nicht nur nervig. Bei manchen Primarschülern lösen sie auch Panik aus.

Südostschweiz
10.07.17 - 05:00 Uhr
Aus dem Leben
Kettenbriefe sollten nicht weiterverschickt werden.
Kettenbriefe sollten nicht weiterverschickt werden.
SASI SUBRAMANIAM

Hallo. Ich bin Teresa Figaldo. Heute ist das 26 Jahre her, dass ich tot bin. Wenn du dies nicht an 20 Personen weiter schickst, schlafe ich heute in deinem Bett. Für immer. Ich werde in einer Ecke stehen und dich die ganze Nacht beobachten. ... Den ganzen Tag über werde ich dich begleiten, mit Messern bewerfen und da könnte es tödlich enden für dich. Falls du es überlebst, werde ich dich in einer brutalen Art und Weise umbringen», so unheimlich beginnt der «Teresa Figaldo» Kettenbrief, der zurzeit bei Schülern auf Whatsapp im Glarnerland die Runde macht. Die darauf folgenden Zeilen sind nicht weniger schauerlich und verweisen schliesslich auf ein Youtube-Video, das angeblich die wahre Geschichte dieser Geisterfrau dokumentiert.

Mehr Informationen – weniger Angst

«Teresa Figaldo» landete auch bei der Primarschülerin Lea Schneider* auf ihrem iPhone. Verschreckt sass sie auf ihrem Bett, klickte ihre Kontakte an, um den Kettenbrief in Windeseile weiterzuleiten. «Ich hatte plötzlich richtig Angst, der Text ist so gruselig», erzählte sie später. Sie hätte einfach nur reagiert und den Brief möglichst schnell an 20 Kollegen weiterverschicken wollen. Anschliessend diskutierte sie noch lange mit ihren Mitschülerinnen. Viele von ihnen waren ebenfalls verunsichert und fragten, ob sie die Nachricht ernst nehmen sollten. Erst später vertraute sich Lea ihren Eltern an. «Ich konnte dann schon gut einschlafen, aber es war eine unheimliche Erfahrung.»

Kettenbriefe kommen immer wieder in Umlauf und Reaktionen wie die von Lea sind kein Einzelfall, wie Laurent Sèdano, Medienkompetenzexperte bei Pro Juventute weiss. Er kennt das Problem: «Unerfahrene Kinder bekommen Angst und wissen nicht, was sie tun sollen. Kettenbriefe haben etwas Heimtückisches. Etwas spricht die Kinder an, das sie nicht total ausschliessen können. Das bleibt dann im Kopf hängen.»

Die Folgen könne man nicht abschätzen: «Das hängt dann jeweils davon ab, wie Kinder von ihren Eltern begleitet werden und wie das Umfeld ist», so Sèdano. Drohkettenbriefe könnten vor allem beim ersten Lesen verängstigen oder verunsichern. «Beim zweiten oder dritten Mal, wenn sie einen solchen Brief empfangen, sind sie dann schon gelassener und hinterfragen auch. Kinder tauschen sich auch untereinander über diese Briefe aus und lernen so voneinander.»

Gut sei es, wenn sich Kinder an die Eltern wendeten. Diesen rät Sèdano, die Ängste der Kinder durchaus ernst zu nehmen und genauer nachzufragen, was sie denn erschreckt habe. «Es hilft, wenn Kinder von ihren Eltern hören, dass es Kettenbriefe auch schon früher gegeben hat und wie sie damals mit dem unheimlichen Inhalt umgegangen sind.»

Der Ratschlag, den Kettenbrief zu löschen und zu ignorieren, sei zu wenig.  «Eltern sollten dem Kind erklären, um was es bei Kettenbriefen geht. «Je mehr Informationen die Kinder haben, desto schneller verfliegt die Angst», so der Experte. Für mehr Informationen empfiehlt Sèdano, Textzeilen oder den Namen des Kettenbriefes zu googeln und sich auf seriösen Internetseiten zu informieren (siehe Fussnote).

Als Kettenbrief enttarnen

Wie bei vielen Kettenbriefen handelt es sich bei «Teresa Figaldo» um eine «Fake-News» oder Hoax (engl. für Falschmeldung, Jux, Scherz). Denn natürlich ist die Geschichte um die Geisterfrau Teresa Figaldo frei erfunden. Wie auf «Tweetweather», eine Internetseite, auf der Kettenbriefe und ihre Hintergründe aufgelistet werden, zu erfahren ist, handelt es sich bei «Teresa Figaldo» um eine Werbekampagne des portugiesischen Regisseurs David Rebordao für einen Film.

Kettenbriefe sind keine neue Erfindung. Früher flatterten sie noch klassisch auf dem Postweg ins Haus, allerdings mit weit weniger gruseligem Inhalt. Heute umrundet der elektronische Briefterror in verschiedenen Varianten den Globus. Mal wird vor Viren gewarnt, ein Glücksbrief mit angeblichen Gewinnen verschickt oder durch mitleiderregende Geschichten auf die Tränendrüsen gedrückt.

Doch das Prinzip der Kettenbriefe ist immer das Gleiche: Er soll an mindestens zehn Personen weitergesendet werden. Meist haben die Nachrichten einen schockierenden oder sensationellen Inhalt und fast immer werden negative Konsequenzen angedroht, sollte die Meldung nicht sofort mit Freunden oder Kollegen geteilt werden. Um die Glaubwürdigkeit zu untermauern, werden häufig Quellen namhafter Firmen oder Organisationen genannt.

Ab in den digitalen Papierkorb

Die angeblichen Gewinne oder Viren gibt es nicht. Der eigentliche Virus sei der, dass Kettenbriefe die «Menschen verunsichern und Arbeitszeit binden», wie im Online-Hoax-Info-Service der Technischen Universität Berlin zu lesen ist.

Kettenbriefe sollte man einfach löschen, ignorieren und nicht weiterversenden. Damit verschwinden sie am schnellsten. Dies ist auch das Rezept eines Kantischülers: «Ich schreibe meinen Kollegen, dass ich diese nervigen Kettenbriefe nicht will. Wenn sie nicht aufhören, blockiere ich sie eine Zeit lang. Das hilft meistens.»

Falschmeldungen entlarven unter anderem folgende Internetseiten: verein.mimikama.at, safer-internet.de und hoax-info.tubit.tu-berlin.de

* Name geändert

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