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Kletterfans suchen Kleininvestoren

Auf dem Joner Vinora-Areal soll die erste Boulderhalle in See-Gaster entstehen. Junge Kletterfans versuchen, diese mittels Crowdfunding zu finanzieren. Sie glauben an ein grosses Potenzial der Sportart.

Pascal
Büsser
29.06.17 - 05:24 Uhr
Leben & Freizeit
www.lokalhelden.ch/quergang Ohne Seil und Haken: Bouldern bedeutet Klettern in geringer Höhe – gesichert durch Matten am Boden.
www.lokalhelden.ch/quergang Ohne Seil und Haken: Bouldern bedeutet Klettern in geringer Höhe – gesichert durch Matten am Boden.
PRESSEBILD

Sie sind begeisterte Kletterer – oder genauer Boulderer. Und ärgern sich darüber, dass es in der nahen Umgebung keine Möglichkeiten gibt, um ihrer Passion nachzugehen. Die nächsten Boulderhallen gibt es in Uster und in Näfels. Dort entsteht aktuell auf 1000 Quadratmetern eine grosse neue Halle. «Doch 40 Minuten Anreise für ein Training am Feierabend ist doch ziemlich viel», erklärt Silvan Brun. Er und sechs weitere Kletterfans aus Rapperswil-Jona und Umgebung wollen sich der Situation nicht länger tatenlos fügen. Sie haben Anfang Jahr den Boulderverein Rapperswil-Jona gegründet.

Finanzierung auf gutem Weg

Ab 1. Juli hat die Gruppe einen Raum auf dem Areal der geschlossenen Industriefirma Petroplast-Vinora an der Holzwiesstrasse gemietet. Dieser soll zu einer Boulderhalle umgebaut werden. Dazu benötigen die Sportbegeisterten jedoch Geld. Mindestens 20 000 Franken. Um diese Mittel zu beschaffen, setzen sie auf Crowdfunding. Sprich sie wollen dieses Geld in einer Online-Sammelaktion innert vierzig Tagen auftreiben. Nach eher harzigem Start hat die Finanzierungsrunde inzwischen an Fahrt aufgenommen. Elf Tage vor Schluss sind 80 Prozent des Minimalziels erreicht. Etwas mehr als 60 Unterstützer haben bisher gut 16  000 Franken gespendet.

Brun hofft allerdings, dass mehr als 20  000 Franken zusammenkommen. «Ideal wären 25 000 bis 30 000 Franken», erklärt er. «Je mehr Geld wir haben, desto mehr Griffe können wir kaufen und desto mehr Routen bauen.»

Für den Ausbau des rund 100 Quadratmeter grossen Raumes im umgenutzten Vinora-Gebäude ist eine grössere Menge Bauholz, Klettergriffe und Sturzmatten notwendig. «Wenn wir weniger Geld haben, müssen wir auch bei den Sturzmatten Abstriche machen und vermehrt auf alte Matten setzen», so Brun.

Für die Stadt gehts zu schnell

Offen seien noch einige Anfragen bei Unternehmen. «Bisher war es allerdings eher schwierig, Firmen als Sponsoren zu gewinnen», so Brun. Auch bei der Stadt sind die Kletterfreunde bereits vorstellig geworden, konkret beim neuen Leiter der Fachstelle Sport und Bewegung, Thomas Zahner. «Es freut mich, dass eine Truppe diese Idee selber anreisst.» Konkrete Hilfe könne die Stadt aufgrund der kurzfristigen Planung zurzeit allerdings nur beschränkt anbieten. «Ob das Projekt in der ersten Phase gelingt, wird nicht von der Stadt abhängen», so Zahner.

Denn bereits im August soll der Bau der Kletterwände beginnen, falls das nötige Startgeld zusammenkommt. Spätestens Anfang November soll die Halle öffnen. «Um uns den Raum auf dem Vinora-Gelände zu sichern, mussten wir schnell reagieren und den Mietvertrag unterschreiben», erklärt Brun. Zu schnell für die Entscheidungsprozesse in der Politik.

Nutzung auf Zeit auf Vinora-Areal

«Wenn die Stadt das Projekt finanziell unterstützen soll, müsste das Angebot natürlich auch auf eine gewisse Nachfrage stossen», fügt Zahner an. Aktuell besteht der Verein nur aus den sieben Gründungsmitgliedern.

Mitinitiant Brun geht von einem Potenzial von 30 bis 50 Nutzern der Boulderhalle in der Anfangsphase aus. Konkret an einem wöchentlichen Training interessiert sei etwa die SAC-Sektion Zindelspitz aus Lachen. Es sollen indes Boulderrouten für jedes Niveau entstehen. Bouldern sei insbesondere für Einsteiger gut geeignet, erklärt Brun. Auch weil es neben Kletterschuhen und etwas Magnesium keine spezielle Ausrüstung braucht.

Angedacht sei ein Jahresbeitrag von 300 Franken. Zu Beginn soll es Schnupperangebote mitsamt Einführungskursen geben. «Ich bin schon mehrmals auf Möglichkeiten zum Klettern und Bouldern angefragt worden, deshalb könnte es durchaus Potenzial dafür geben», meint auch der städtische Sportkoordinator Zahner.

Wenn dies der Fall sein werde, sei es denkbar, dass die Stadt in einer zweiten Phase im grösseren Stil mithelfe. Etwa, indem sie Räumlichkeiten zur Verfügung stelle. Die Nutzung der Halle im Vinora-Gebäude ist vorläufig auf zwei Jahre beschränkt, wie Brun erklärt. Das Industrie-Areal soll dann einer Wohnüberbauung weichen. Es ist allerdings nicht auszuschliessen, dass die neue Überbauung erst in drei bis vier Jahren kommt. «Ein Grossteil des Materials könnte man danach an einem neuen Ort installieren», erklärt Brun.

www.lokalhelden.ch/quergang

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