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Schmerkner Familien fordern mehr Sicherheit für ihre Kinder

Schmerkner Familien fordern mehr Sicherheit für ihre Kinder

Die Verhältnisse auf 
der Neuen Eschenbacherstrasse in Schmerikon sind gefährlich. Anwohner beklagen, dass die Gemeinde zu wenig unternehme, um die Situation zu verbessern. Diese widerspricht – und stellt eine baldige Lösung in Aussicht.

Südostschweiz
vor 3 Jahren in
Aus dem Leben

von Daniel Graf

Moderne Wohnungen, grosse Gärten, herrlicher Seeblick dank leicht erhöhter Lage: Die drei Wohnhäuser an der Neuen Eschenbacherstrasse am Rande Schmerikons sind ideal für Familien – wäre da bloss nicht die Situation mit der Strasse. Seit Jahren kämpfen Anwohner vergebens für mehr Sicherheit für Fussgänger – und insbesondere für Kinder. Jetzt zeichnet sich aber eine Lösung ab, die Gemeindebehörden wollen reagieren.

Patrick Egli wohnt mit seiner Frau Carole und den beiden Töchtern im mittleren der drei Häuser, die 2011 errichtet wurden. Er erklärt, weshalb sich die Anwohner mit einem Antrag an die Gemeinde wandten: «Das Hauptproblem ist, dass die Strasse zu schmal ist und Postautos und viele Lastwagen sie befahren.» Wenn diese Fahrzeuge kreuzen müssen, weiche eines von beiden auf das Trottoir aus. «Da dieses so oder so schon ziemlich schmal ist, entstehen immer wieder gefährliche Situationen für Fussgänger», sagt Egli.

Schildbürgertum in Schmerikon?

Egli stört, dass die Gemeinde scheinbar absichtlich die Randsteine absenken liess, um das Kreuzen zu ermöglichen: «Das grenzt für mich an eine Aufforderung an Autofahrer, grobe Verkehrsverstösse zu begehen», ärgert sich Egli. Seine Töchter Xenia und Melissa begleiten er oder seine Frau deshalb immer so weit die Strasse hinunter, bis sie den gefährlichen Teil hinter sich haben: «Für Kinder ist die Situation speziell risikoreich – aber auch als Erwachsener fühlt man sich nicht wohl, wenn Lastwagen knapp an einem vorbeibrausen.»

Hinzu kommt: Nach einigen Metern endet das Trottoir abrupt an einem Geländer (Bild). Hier muss jeder, der von der Neuen Eschenbacherstrasse hinunter ins Dorf will, die ungesicherte Strasse überqueren. «Es gibt keinen Fussgängerstreifen, und etwas weiter vorne kommen die Autos von unten über eine Kuppe. Auch hier entstehen gefährliche Situationen», sagt Egli.

«Es gibt Raser auf dieser Strasse»

Ein weiteres Problem seien Schnellfahrer: «Es gibt definitiv Leute, die auf dieser Strasse rasen», ist Egli überzeugt. Die Polizei hat deshalb Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Das bestätigt Kapo-Sprecher Florian Schneider: «Wir haben 2015 und 2016 Messungen durchgeführt. Die Verzeigungen hielten sich aber im Rahmen.» Schneider sagt aber, die Dunkelziffer könne hoch sein, da es viele gebe, die nur wenige km/h zu schnell fahren: «Hier resultiert nur eine Ordnungsbusse, die bei uns nicht vermerkt ist.»

Die diversen Probleme sind Schmerikons Gemeindepräsident Félix Brunschwiler bekannt. Er war erst vor wenigen Tagen erneut selber vor Ort, um mit einem Planungsbüro Lösungsansätze zu diskutieren. «Die Lage ist verzwickt, eine einfache Lösung gibt es nicht – sonst hätten wir sie längst umgesetzt.»

Randstein anheben wäre teuer

Die Strasse wurde vor rund acht Jahren für 1,2 Millionen Franken saniert. Das Problem: «Die Planer haben den Randstein des Trottoirs abgesenkt, damit Lkws und Postautos kreuzen können.» Dem widerspricht allerdings Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik der Kantonspolizei (siehe «Drei Fragen an ...»).

Den Randstein einfach wieder anzuheben, wäre laut Brunschwiler aber ohnehin unverhältnismässig teuer. Deshalb suche die Gemeinde nach anderen Lösungen (siehe Infokasten).

Eine Lösung präsentiert Roger Wüthrich, der mit seiner Familie ebenfalls an der Strasse wohnt und Eglis Kritik bestätigt: «Man müsste auf der Strasse eine Gewichtsbeschränkung einführen, sodass sie nur noch für Pkws und Postautos befahrbar wäre.» Es sei unschwer erkennbar, dass die Strasse unter dem Schwerverkehr leide: «Im Waldbereich rutscht sie zusehends ab.» Ein Unfall mit einem Lastwagen, der sich erst vor wenigen Monaten ereignet hat, zeige ausserdem, dass diese mit ihrer schmalen, kurvigen Bauweise für Lastwagen ungeeignet sei. «Die Gewichtsbeschränkung würde keine Kosten verursachen, wäre zeitgemäss und problemlos durchsetzbar», ist 
Wüthrich überzeugt.

«Gemeinde beugt sich der Lobby»

Er kritisiert, die Gemeinde würde sich der «Lastwagen-Lobby» beugen – namentlich den grossen Schmerkner Bauunternehmen wie der JMS AG: «Wir schätzen die Bemühungen des Gemeindepräsidenten. Aber in dieser Frage wünschten wir uns mehr Mut», sagt Wüthrich. Das müsse im Interesse der Gemeinde liegen – insbesondere, da schon Familien mit Kindern wieder weggezogen seien, weil die Situation an der Neuen Eschenbacherstrasse nicht tragbar war, sagt Wüthrich.

Für Brunschwiler ist es «verständlich, dass die Lkw-Frage» gestellt wird, er erachtet diese jedoch nicht als zielführend: «Wir sollten Lösungen verfolgen, die zur Reduktion der Geschwindigkeit und zur Vermeidung der Benutzung des Trottoirs als Fahrbahn führen.»

Gemeinde stellt Lösung in Aussicht

Und tatsächlich scheint Bewegung in die Sache zu kommen: «Wir haben Massnahmen zur Verbesserung der Fussgängersicherheit auf dem Trottoir und zur Verbesserung der Strassenquerung vorliegen», sagt Brunschwiler. Er gehe davon aus, dass die Gemeinde erste Sofortmassnahmen ohne weiteren Beizug der Verkehrspolizei in den nächsten Wochen werde umsetzen können.

Die Verkehrspolizei habe sich dazu bereits geäussert. Bauliche Eingriffe zur Überquerung der Strasse müssen planerisch ausgestaltet und der Polizei zur Genehmigung vorgelegt werden.» Die Gemeinde hoffe, Massnahmen bis im Herbst umsetzen zu können. Bis es so weit ist, bleibt Patrick Egli und seiner Frau nichts anderes übrig, als ihre Töchter weiterhin mehrmals am Tag auf dem unsicheren Trottoir und über die Strasse zu begleiten.

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