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Der April macht was er will

Ab Mittwoch heisst es wieder dick einpacken – oder zumindest den Regenschirm nicht vergessen, denn es wird wieder kalt und nass! Wir haben mit einem Wetterexperten über das launische Aprilwetter gesprochen.

26.04.17 - 06:00 Uhr
Aus dem Leben
Achtung, der April gibt Vollgas, es gibt Schnee, Sonne und Regen - alles zusammen.
Achtung, der April gibt Vollgas, es gibt Schnee, Sonne und Regen - alles zusammen.
PIXABAY

Achtung, es wird wieder kalt! Doch Teile der Schweiz tut diese Abkühlung und vor allem der Niederschlag sehr gut: Das Tessin hatte in den letzten Wochen mit Waldbränden zu kämpfen und auch die Genferseeregion verzeichnete nur wenig Niederschlag. Und wie wir alle wissen, können wir dem April gar nicht böse sein, denn er macht ja sowieso was er will. Trotzdem wollten wir von Fabian Umbricht von Meteotest wissen, ob der April dieses Jahr besonders «launisch» ist.

Ist es normal, dass der April so wechselhaft ist mit Kaltluftausbrüchen?

Fabian Umbricht, Meteotest: Grundsätzlich ja, der April ist ein wechselhafter Monat, die Bezeichnung "Aprilwetter" kommt nicht von ungefähr. Zu erklären ist dies unter anderem dadurch, dass sich im Frühling die Atmosphärische Zirkulation auf der Nordhalbkugel umstellt: Da die Sonne auch in den Polarregionen wieder scheint, verringern sich die Temperaturgegensätze zwischen Mitteleuropa und dem Nordpol. Der sogenannte "Polarwirbel" (ein Starkwind-Band in grosser Höhe rund um den Pol) der von diesen Temperaturgegensätzen angetrieben wird, schwächt sich also ab oder bricht sogar ganz zusammen. Während der Polarwirbel stark ausgeprägt ist, ist es für die kalten, polaren Luftmassen schwierig nach Süden, Richtung Mitteleuropa vorzustossen. Wenn nun der Polarwirbel beginnt zu schwächeln, kann die Kaltluft einfacher nach Süden vorstossen - Kaltluftausbrüche wie wir sie gerade erleben sind dann die Folge.

Ist denn der April dieses Jahr besonders launisch?

Natürlich gibt es von Jahr zu Jahr unterschiede, aber wie gesagt, wechselhaftes Wetter mit Kaltluftausbrüchen ist für den April nichts Ungewöhnliches. Immerhin fällt beispielsweise in Einsiedeln der letzte Schnee im langjährigen Durchschnitt am 26. April - in Davos ist es am 2. Juni und in Zürich am 6. April.
Da wir dieses Jahr einen ausgesprochen warmen März hatten und das Wetter auch in der ersten Aprilhälfte oft warm und sonnig war, wirken nun die aktuellen Kaltluftausbrüche sehr krass und extrem, aussergewöhnlich sind sie aber nicht.

Der Kälteeinbruch im April 2013 ist deutlich zu sehen.

Gab es in den vergangenen 10 Jahren eine besondere Ausnahme?

Wie schon gesagt, ein wechselhafter April ist eher die Regel als die Ausnahme. Ausnahmen waren beispielsweise das Jahr 2007, 2010 oder 2014. Jedoch finden fast jedes Jahr ein bis zwei Kaltluftausbrüche. Auch markant war der April 2013: Hier stürzte die Temperatur regelrecht ab, am 18. April gab es 25 Grad Celsius, am Abend des 19. waren es noch rund 3 Grad Celsius.

Wann war es in der Vergangenheit in der zweiten Aprilhälfte so kalt wie letzte Woche?

Obwohl wechselhaftes Wetter mit Kaltluftausbrüchen im April also nicht ungewöhnlich ist, waren die Temperaturen letzte Woche in der Tat rekordverdächtig tief. Tageshöchstwerte von 4 Grad Celsius in Chur, wie am 18. April habe ich beim Durchschauen der letzten elf Jahre in der zweiten Aprilhälfte nicht gefunden. Auch in der Höhe war es mit minus 21 Grad Celsius auf dem Jungfraujoch kalt, dieser Wert wurde aber in den letzten Jahren immer wieder mal erreicht, Rekord war hier im 2008 mit minus 24 Grad Celsius.
Die Temperaturen in den Tälern und im Unterland sind halt im April sehr stark abhängig vom Verlauf der Bewölkung, die Kombination von Kaltlufteinbruch und mehreren klaren Nächten hintereinander sorgte dann in der Tat für aussergewöhnlich viele Frostnächte hintereinander und tritt in dieser Kombination wohl nur sehr selten auf.

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