Schnellfahrer ausbremsen
Weil die Hauptstrasse überlastet ist, nimmt der Schleichverkehr in den Quartieren zu. Die Gemeinde Glarus reagiert vielerorts mit Tempo-30-Zonen, Pollern und Rechtsvortritt.
Weil die Hauptstrasse überlastet ist, nimmt der Schleichverkehr in den Quartieren zu. Die Gemeinde Glarus reagiert vielerorts mit Tempo-30-Zonen, Pollern und Rechtsvortritt.
«Ich bin froh, dass sich endlich etwas tut», sagt Mathias Vögeli, Anwohner in der Ennetbühlerstrasse in Ennenda. Für ihn sei es fast ein Wunder, dass bisher keine Unfälle passiert sind. Denn manch ein Autofahrer rase mit über 60 Stundenkilometern durch das Quartier.
Auch Dragana Bijelic, Anwohnerin und zweifache Mutter, freut sich über die geplanten Massnahmen der Gemeinde. Mit ihren beiden Kindern geht sie fast täglich an der Ennetbühlerstrasse entlang – einem öffentlichen Schulweg. «Ich ärgere mich schon oft über den zunehmenden Schleichverkehr. Vor allem, weil er oft so gar nicht schleicht», sagt sie.
Mehrheitlich freue man sich im Quartier darüber, dass die Gemeinde ihr geplantes Verkehrsberuhigungskonzept seit gestern Schritt für Schritt umsetzt. Beschlossen wurde es bereits an der Gemeindeversammlung vom Mai 2016. «Begonnen wird dort, wo der Schuh am meisten drückt», heisst es in einer Medienmitteilung. Bedeutet konkret: Neben dem Quartier Ennetbühls erhalten auch die Quartiere Dörfli in Ennenda, Dorf und Sandrüti in Netstal sowie das Matt-Quartier in Netstal Tempo-30-Zonen. Ausserdem wird der jeweilige Ein- und Austritt der neuen Zonen durch sogenannte Schachbrettmuster am Boden markiert. Durch Einbuchtungen mit Pollern sollen die Autofahrer zusätzlich abbremsen.
Viele Zebrastreifen verschwinden
«Die bauliche Umsetzung der ersten Etappe soll im Herbst abgeschlossen sein. 2018 sollen dann die Quartiere Glarus Oberdorf, Glarus Asylstrasse/Sommerweg und Lurigenstrasse folgen», gewährt Kathrin Egger, Mediensprecherin der Gemeinde, einen Ausblick.
Eine weitere Massnahme: «Die vorhandenen Fussgängerstreifen in den Quartieren werden mehrheitlich entfernt», so Egger. «Nur an besonderen Lagen, wo das öffentliche Interesse überwiegt, bleiben sie bestehen.» Zum Beispiel in der Nähe von Kindergärten, wo sie aus Verkehrsschulungs- und Signalisationsgründen Sinn machen.
Die Begründung: Eine Tempo-30-Zone umfasst Strassen, auf denen die Aktivitäten der Anwohner wichtiger sind als die Verkehrsführung. Auf Fussgängerstreifen wird verzichtet, damit Passanten die Fahrbahn überall dort queren dürfen, wo sie wollen. Aber: Sie haben keinen Vortritt.
Im Winter kommen die Poller weg
Die Massnahmen werden kostengünstig und ansprechend gestaltet, verspricht die Gemeinde den Anwohnern. Schikanen gebe es kaum und auch die Anforderungen von Fussgängern und Velofahrern würden berücksichtigt. Die Bedenken einiger Anwohner, dass die Poller auf der Strasse die Arbeit des Winterdienstes erschweren, räumt die Gemeinde aus: «Damit auch bei den Strassenverengungen eine einfache und schnelle Schneeräumung möglich ist, werden wir partiell mobile Poller einsetzen», sagt Egger. «Diese können im Winter bei Bedarf entfernt werden.» Neben der Vermeidung von Schleichverkehr gehe es der Gemeinde bei der Verkehrsberuhigung auch darum, die Sicherheit in den Quartieren zu erhöhen und Begegnungs- sowie Spielorte zu ermöglichen.
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