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Moderne Technik in der Heiligkreuzkapelle

In der Heiligkreuzkapelle in Müstair ist letzte Woche eine moderne Technologie eingesetzt worden, die unsichtbare Farb- und Malschichten zum Vorschein bringt. So kamen neue Informationen zu den Gemälden in der Kirche ans Licht.

Corinne
Raguth Tscharner
14.04.17 - 05:00 Uhr
Leben & Freizeit
Anette Keller bei der Arbeit. Pressebild
Anette Keller bei der Arbeit. Pressebild

Die Heiligkreuzkapelle des Klosters St. Johann in Müstair ist UNESCO Welterbe und wird seit mehreren Jahren restauriert. Wie es in einer Mitteilung heisst, kam letzte Woche im Rahmen der Restaurationsarbeiten eine fortschrittliche Technologie zum Einsatz, die neue Geheimnisse über die Malereien in der Kirche lüften wird.

Die Auswertungen der gemachten Aufnahmen stehen noch aus, aber es hat sich schon gezeigt, dass die freigelegten Fresken komplexer waren, als heute mit blossem Auge erkennbar ist und wertvolle Materialien von weit her eingesetzt wurden.

Zum Beispiel wurde ein Pigment gefunden, das im Mittelalter sehr selten und wertvoll war. Der Hintergrund der Malereien erscheint heute grau und weiss, doch ursprünglich waren sie in sogenanntem Ägyptisch Blau ausgemalt, einer teuer importierten, leuchtend dunkelblauen Farbe. Zudem wurden Reste von Bemalungen sichtbar, die heute gar nicht mehr erkennbar sind.

Die bemalten Wände des Obergeschosses der Heiligkreuzkapelle.
Die bemalten Wände des Obergeschosses der Heiligkreuzkapelle.

Und so funktioniert es

Durch die Anwendung sogenannter multipler Spektren von sichtbarem und nicht sichtbarem Licht im Infrarot- und Ultraviolettbereich ist es möglich, unsichtbare Farb- und Malschichten auf historischen Gemälden sichtbar zu machen. Diese Methode erlaubt Einblicke in die Maltechnik der Vergangenheit und in vielen Fällen sogar die Bestimmung der verwendeten Farbpigmente. Die Gemälde nahmen dabei keinen Schaden, denn es wurden nur Lichtwellen eingesetzt, die berührungsfrei sind.

Wie es in der Mitteilung heisst, wurden die Aufnahmen Annette Keller durchgeführt. Die Berliner Photographin hat unter anderem die Büste der Nofretete im Neuen Museum in Berlin sowie Werke von Raffaello und Leonardo da Vinci in Florenz und Mailand untersucht.

Corinne Raguth Tscharner ist stellvertretende Chefredaktorin Online/Zeitung und Chefin vom Dienst bei «suedostschweiz.ch». Zuvor erlernte sie das journalistische Handwerk als Volontärin in vier verschiedenen Redaktionen (Print, Online, Radio, TV) und war als Online-Redaktorin tätig. Mehr Infos

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