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Häusliche Gewalt durch Waffen verhindern

Ein klares Ja zur Waffeninitiative! Auch wir kennen einige Familien, die froh gewesen wären, wenn überhaupt keine Waffen im Haushalt zugelassen wären.

Südostschweiz
Samstag, 05. Februar 2011, 01:00 Uhr

Diese Familien hätten einiges nicht durchmachen müssen. Eine dieser Familien – eine Ehefrau mit Kindern – musste sogar aus dem Haus flüchten, weil sie durch den Ehemann mit der eigenen Waffe bedroht wurde. Diese schrecklichen Erlebnisse prägen diese Personen noch nach Jahren.Elisabeth Schnyder, Netstal

Hansjochem Gutscher, Schwanden

Der Kantonale und der Schweizerische Katholische Frauenbund unterstützen die Initiative für den Schutz vor Waffengewalt mit Überzeugung. Wir sind besorgt, dass viele Drohungen, Tötungsdelikte und Suizide mit Schusswaffen verübt werden. Die traurige Tatsache, dass Frauen und Kinder häufiger als Männer Opfer von Gewalttaten werden – vor allem in ihrem persönlichen Umfeld – hat nicht zuletzt mit der leichten Verfügbarkeit von Schusswaffen zu tun.Für viele Menschen in der Schweiz, insbesondere für Frauen und Kinder, bedeuten Waffen und Munition im Haus Anlass zu Unsicherheit und Angst. Beinahe jedes zweite Tötungsdelikt (46 Prozent) findet in der Schweiz im Rahmen von häuslicher Gewalt statt. Davon ist bei 43 Prozent eine Schusswaffe das Tatmittel. Auch aus ethischer und christlicher Sicht sollte uns allen klar sein, dass Gewalt in jeder Form zu verhindern ist.Als Paar- und Familientherapeutin (vor allem in der Familienberatung tätig) bin ich mir sicher, dass mit der Initiative keine Familienkonflikte gelöst werden können, dass aber Drohungen und Angst in den betroffenen Familien vermindert werden können. Bedrohungen mit Waffen führen zu massiven Angstgefühlen bei den Bedrohten, sie blockieren das klare Denken und somit auch die Reaktionen und die Kommunikation unter den Konfliktparteien (es ist nicht mehr möglich, Hilfe zu holen usw.).Von häuslicher Gewalt Betroffene schämen sich häufig auch, Hilfe zu holen; das heisst mit anderen Menschen (auch Fachpersonen) darüber zu reden. Ich bin überzeugt, dass wir Leid im familiären Umfeld verringern können, wenn wir alles Mögliche tun, um Kummer und Tragödien zu verhindern.

Melanie Kistler-Landolt, Präsidentin Katholischer Frauenbund des Kantons Glarus

Die Waffeninitiative bringt massive Einschränkungen für Schützen und Jäger. Die Waffeninitiative sieht die Einführung eines Fähigkeits- sowie eines Bedürfnisnachweises für den Waffenerwerb und den Waffenbesitz auch für Schützen und Jäger vor. Was hat das für Konsequenzen?Im Moment ist absolut unklar, wie die Fähigkeiten definiert und geprüft werden sollen. Die Initianten sagen, das der Besitz einer Lizenz genügen werde. Aber letztendlich wird der Wortlaut im Gesetz und der Verordnung vom Parlament und der Verwaltung festgelegt. Also eine Katze im Sack.Solange ein Schütze wohl über eine heute gültige Lizenz und ein Jäger über ein Jagdpatent verfügt, dürfte der Nachweis des Bedürfnisses für den Waffenbesitz eines Schützen oder Jägers gelingen.Nun gibt es aber noch Zehntausende Schützen, die keine Lizenz haben und die nur an lizenzfreien Schiessen wie etwa dem Feldschiessen teilnehmen. Schon heute ist absehbar, dass all diese Schützen ohne Lizenz einen bürokratischen Hürdenlauf absolvieren müssen, bis sie ihr Schiessbedürfnis nachweisen können. Und wehe, wenn sie bei der vermutlich jährlichen Kontrolle nicht nachweisen können, dass sie aktiv an den erforderlichen Schiessen teilgenommen haben.Was passiert, wenn ein Schütze wie auch ein Jäger nicht mehr aktiv sind? Der Initiativtext verlangt eben auch für den Waffenbesitz einen Bedürfnisnachweis. Wenn der Schütze oder Jäger nicht mehr aktiv sind, fehlt automatisch das Bedürfnis für den weiteren Waffenbesitz. Die Konsequenz daraus ist, dass er dann die Waffe an eine Person, die den Bedürfnisnachweis erbringt, veräussern muss. Im anderen Fall kann er seine Schützen- oder Jagdwaffe den zuständigen polizeilichen Behörden zur Weiterverwertung oder zur Vernichtung abgeben.Gerade Schützen und Jäger haben ein hohes Interesse an ihren eigenen Waffen und möchten diese auch nach Aufgabe ihrer Aktivitäten noch behalten. Mit der Annahme der Initiative können inaktive Schützen und Jäger die Waffe nicht mehr behalten. Eine Schenkung oder Vererbung an Nachkommen ist nur dann zulässig, wenn diese selber aktive Schützen oder Jäger sind.Im Raum steht natürlich auch die Entschädigungsfrage. Zehntausende Gewehre und Pistolen sind von den Schützen zum Preis von 2500 bis 3000 Franken, je nach Ausrüstung, gekauft worden. Die Jagdwaffen sind sämtliche von den Jägern gekauft worden. Sollen nun der Bundesrat und das Parlament aus der Initiative auch noch ein Enteignungsgesetz machen? Sollten die selbstbezahlten Sportgeräte und Jagdwaffen wirklich eingezogen und vernichtet werden, so ist es recht und billig, wenn der Besitzer dafür entschädigt wird. Eines ist sicher, das dafür benötigte Geld kann nur aus Steuermitteln stammen.

Ernst Gnos, alt Landratspräsident, Präsident Glarner Schützenvete- ranen, Schwanden

In den Stellungnahmen der Waffeninitiativ-Gegner taucht immer wieder das Argument auf, die zu Hause gelagerte Waffe sei notwendig für den Schutz der Familie. Es wird das Bild des verantwortungsbewussten Ehemanns und Familienvaters gezeichnet, der mit Hilfe seines allzeit griffbereiten (Sturm-)Gewehrs seine Familie im Ernstfall, das heisst gegen einen äusseren Aggressor verteidigt. Nichts gegen eine solch beruhigende Vorstellung, nur – wie steht es mit der Realität?In keinem der Ernstfälle, von denen ich Kenntnis habe, wurde die Waffe zum Schutz der Angehörigen verwendet. Im Gegenteil zeigte der Gewehrlauf in ausnahmslos allen Notsituationen direkt auf die Lebenspartnerin oder die Kinder. Und am Drücker stand kein äusserer Feind, sondern der Mann, dem man das Gewehr in Obhut gegeben hatte.Für die Bedrohten sieht das dann so aus: Ausgerechnet da, wo sie am dringendsten verteidigt werden müssten, gibt man dem Angreifer eine Waffe in die Hand.Sicher, nicht jede Frau hat solche Erfahrungen gemacht, denn nicht jeder Mann richtet sein Gewehr im Streit auf sie. Gott sei Dank! Aber könnten wir, ausser Gott zu danken, nicht vielleicht eine bessere Regelung für Waffenbesitz und Waffengebrauch finden? Eine, die weniger Schaden anrichtet als die bisherige? Ich bitte Sie, die Initiative anzunehmen. Wird sie abgelehnt, ist zu fürchten, dass alles beim Alten bleibt, auch bei den alten Missständen. Nehmen wir die Initiative an, besteht immerhin die Chance, dass das Thema aktuell bleibt und ebenso die Motivation, nach vielleicht noch griffigeren Lösungen zu suchen. Inzwischen könnten zahlreiche Drangsalierte aufatmen. Und das schadet sicher nicht.

Christina Fuchs, Sool

Auch unsere Enkelkinder werden wohlbehütet sein von einer Armee und Polizei – vielleicht von einer Art, die oft zur Kasse bitten wird. Die Säumigen werden nicht mehr eiskalt gemahnt, sondern höflich zur Strecke gebracht. Nicht mit Schusswaffen allerdings, sondern auf feinere Art.Für unsere Armee und unsere vielen Schusswaffen zu Hause hat die Mafia nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Die Mafia fürchtet nur Gesetze und deren furchtlose Durchsetzung. Wenn die Mafia Fuss gefasst hat, dann beginnen auch wir und unsere Justiz zu zittern. Dann sind Gesetze nicht mehr durchsetzbar. Dann hat sie auch uns im Griff. Dann ist es zu spät. Einen Fuss hat sie in unserer Tür.Jürg Blumer, Luchsingen

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