Vier Jahre nach dem Bergsturz in Bondo
Am 23. August vor vier Jahren wurde das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Bregaglia komplett auf den Kopf gestellt. An jenem Mittwoch donnerten oberhalb des idyllischen Bergdorfs Bondo über 3 Millionen Kubikmeter Felsmaterial, das ist etwa das Volumen von 3000 Einfamilienhäusern, vom Piz Cengalo ins Val Bondasca.
Daraufhin folgte ein verheerender Murgang. Mehrere Hunderttausend Kubikmeter Bergsturzmaterial flossen bis ins Dorf und füllten dort das Rückhaltebecken. Dieses konnte das Volumen nicht fassen und ist übergelaufen. Seit dem Bergsturz werden acht Bergwanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vermisst. Sie gelten als tot.
Beklemmende Bilder
Christian Gartmann war zu dieser Zeit verantwortlich für die Kommunaktion. Der Mediensprecher erinnert sich im Interview mit TV Südostschweiz an den Unglückstag zurück. «Ich war zurzeit des Bergsturzes in meinem Büro in St. Moritz. Auf Nachrichtenplattformen habe ich dann von dem Ereignis gelesen. Ziemlich schnell haben mich dann auch Informationen und Bilder erreicht, die beschädigte Häuser zeigten.» Für ihn seien die Bilder ziemlich beklemmend gewesen.
Die Videos des Bergeller Felssturzes
Gartmann wurde zum Krisenkommunikator einberufen und reiste nach Bondo. Seinen ersten Eindruck setzt er heute noch in Verbindung mit der damaligen Gemeindepräsidentin Anna Giacometti. «Mein Büro habe ich an ihrem Besprechungstisch eingerichtet. Sie hat sehr zielgerichtet gearbeitet. Nach einer Viertelstunde Einarbeitungszeit gab es einen ersten Rapport, bei welchem ich dann den Leiter des Kantonalen Führungsstabs Graubünden, Martin Bühler, kennenlernte.» Gartmann findet, dass das Duo Bühler und Giacometti sehr gut durch die Krisenorganisation geführt habe.
Die beiden hätten auch viel Freiraum für kreative Ideen gelassen. Gemäss Gartmann sei das auch nötig gewesen. «Es sind viele Probleme auf uns zugekommen, man musste kreativ sein und Lösungen suchen.» Damit meint der Krisenkommunikator beispielsweise Ideen, die gesucht wurden, um die Bevölkerung, die evakuiert werden musste, zu erreichen. «Manche Personen hatten kein Handy oder Portemonnaie dabei. Wir mussten überlegen, wie wir sie erreichen und informieren.» Weitere Aufgaben waren, den Abtransport des Bergsturzmaterials und die Errichtung einer Deponie zu organisieren. «Es gab jeden Tag neue Situationen und so sind wir Schritt für Schritt vorwärtsgegangen.»