Trauriger Jahrestag für die Churer Maiensässfahrt
Dieses Jahr wird es keine Churer Maiensässfahrt geben. Seit mehr als 160 Jahren wandern die Churer Schulkinder jeden Frühling auf die örtlichen Maiensässe, doch 2020 muss der traditionsreiche Anlass aussetzen. Der Grund: das Coronavirus.
Aber auch ohne Covid-19-Pandemie wäre die diesjährige Maiensässfahrt nicht wie seine Vorgänger gewesen. Denn genau ein Jahr ist es her, als ein tragischer Unfall einen Schatten über die Fahrt warf. Ein 14-jähriger Schüler verunglückt auf dem Abstieg tödlich. Er war mit seiner Klasse unterwegs vom Churer Hausberg Pizokel über Juchs nach Chur gewesen. Kurz vor 17 Uhr stürzt er in einer Kurve von der Alpstrasse in der Oberen Val Parghera rund 200 Meter über felsdurchsetztes, steiles Gelände ab. Der Regaarzt kann nur noch den Tod des Jungen feststellen.
Tödliches Unglück an der Churer Maiensässfahrt
Die Trauer in ganz Chur und Umgebung ist gross. Der Bekanntenkreis der Familie des verunglückten Schülers organisiert einen Trauermarsch, dessen Route eng an die Maiensäss-Tradition angelehnt ist. Zahlreiche Menschen nehmen teil, um zu trauern.
Trauermarsch für verunglückten Jugendlichen
Der Schock sitzt tief. Viele Fragen kommen auf. Wie konnte es zu dem Unfall kommen? Wer trägt Schuld? Ist die Maiensässfahrt überhaupt sicher? Wird es sie auch in Zukunft wieder geben? Im vergangenen Jahr sind die meisten dieser Fragen von offizieller Stelle beantwortet worden.
Die Waldstrasse, neben der sich der tödliche Unfall ereignete, sei erst vor kurzem instand gestellt worden. Auf ihr sei man sicher unterwegs. Auch viele Lehrer hätten den Weg in sehr gutem Zustand beschrieben. Allgemein sei das Sicherheitsniveau der Fahrt gut, zeigt eine Risikoanalyse, welche die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Die Fahrt an sich wird also nicht infrage gestellt und weiterhin durchgeführt – wäre da nicht das Coronavirus.
Sicherheitsniveau an Churer Maiensässfahrt ist gut
Ebenso stellt sich heraus, dass keine Drittperson Schuld am Unglück trägt und keine Mitschüler oder Lehrer direkt etwas mit dem Unfall zu tun haben. Erst im März hat die Staatsanwaltschaft die Untersuchungen zur Abklärung des tödlichen Unfalls abgeschlossen. Während des Verfahrens sind zahlreiche Befragungen durchgeführt worden und das Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals Graubünden hat die Leiche des Verunglückten untersucht.
Am Maiensäss-Unfall ist keine Drittperson schuld
«Meine Gedanken sind nach wie vor sehr oft bei den Betroffenen des tragischen Unglücks. Die Trauer und Betroffenheit sind nach wie vor sehr gross», sagte der zuständige Stadtradt Patrik Degiacomi nun gegenüber «grheute.ch». Er hätte es begrüsst, wenn der Anlass in diesem Jahr hätte stattfinden können und auch das Gedenken in diesem Rahmen Platz gefunden hätte.
Die Mitschüler des verunglückten 14-Jährigen hätten aber nicht an der Maiensässfahrt teilgenommen, wie Degiacomi gegenüber dem Onlineportal weiter sagte. Sie hätten den Tag für sich verbracht. (so)