Zilpzalp, Mönchsgrasmücke und Co. – Die ersten Zugvögel sind zurück
von Immanuel Giger und Anna Nüesch
Jeweils im März und September haben viele Zugvögel eine strenge Zeit vor sich. Im September ziehen sie in Richtung Süden, um dem harten Winter der Alpen zu entkommen. Im März, wenn die Temperaturen auch hierzulande wieder milder werden, zieht es die Zugvögel nach Hause zurück. Wie Sergio Wellenzohn, kantonaler Vogelschutzbeauftragter beim Amt für Jagd und Fischerei Graubünden, verrät, kehren momentan vor allem Vögel zurück, die nicht wirklich weit weg waren: «Es sind viele Vögel schon wieder hier, die im Mittelmeerraum waren. Solche, die über die Sahara hinausfliegen, sind noch nicht zurück», sagt er gegenüber Radio Südostschweiz. Schon wieder eingefunden haben sich beispielsweise Wiedehopfe, einige Schwalbenarten, Zilpzalps oder Hausrotschwänze.
Mobilität als grossen Vorteil
Laut Wellenzohn gebe es viele Vögel, die den Winter bei milden Temperaturen sowieso hier verbringen. «Viele Vögel haben die Neigung, stark auf das Wetter zu reagieren.» Rotkehlchen ziehen nur dann in den Süden, wenn es ein wirklich strenger Winter ist. Ein grosser Vorteil der Vögel: «Sie sind mobil und können relativ spontan reagieren», so Wellenzohn. Bei Kältefronten werde auch mal spontan ausgewichen.
Die Zugvögel reisen mit Verspätung
Aktuell sind die ersten Phasen des Zuggeschehens im Gange. Die Temperaturen seien gemäss Wellenzohn momentan keine Bedrohung für die Tiere und sie finden genügend Nahrung. Wenn also keine riesige Kaltfront oder sehr viel Schnee mehr kommt, werden die Vögel in der Region problemlos im Frühling ankommen. Würden aber der Boden noch einmal gefrieren und extrem tiefe Temperaturen herrschen, könnte dies durchaus eine Herausforderung für die Vögel werden. «Für Vögel, die auf Insekten im Boden angewiesen sind, wäre das ein grösseres Problem», sagt Wellenzohn, der ebenfalls den Verein Vogelschutz-Landquart präsidiert. Er ordnet diese Gefahr aber auch wie folgt ein: «Wenn Tiere aktuell sterben, dann ist das eine Art evolutionärer Prozess: Die schwächeren Individuen müssen manchmal sterben, sodass die besseren Gene weitergegeben werden.»