Beim Besuch am NOS in Mollis gibts Tipps vom zweifachen Schwingerkönig
Ein Schwingfest ist immer auch ein Who-is-Who des Schwingsports. Vermutlich. Nein, nicht vermutlich: Ganz sicher ist der Begriff Who-is-Who für den Schwingsport der falsche. Denn Schwingen ist einheimisches Schaffen. Da wird so gesprochen, wie «einem der Schnabel gewachsen» ist. Aber trotzdem, nun auf Deutsch: Personen mit Rang und Namen waren am Sonntag am Nordostschweizerischen Schwingfest in Mollis zahlreich vertreten. Vom Glarner Regierungsrat waren Benjamin Mühlemann (er vor allem als Ehrenpräsident des NOS-Anlasses), Marianne Lienhard, Markus Heer und Andrea Bettiga vor Ort. Vielleicht war auch Kaspar Becker da. Ihn habe ich aber nicht gesehen. Bei so vielen Leuten (5500 Zuschauer) verliert man schnell den Überblick – wie auch auf den Schwingplätzen. Da hilft ein routinierter Speaker, der einen auf den fünf Schwingplätzen durch den sportlichen Tag führt. Ohne Speaker gesehen habe ich Ratsschreiber Hansjörg Dürst und Ex-Regierungsrat Rolf Widmer.
Der Glarner Sportminister Markus Heer hatte grosse Freude am NOS. «Was gibt es Schöneres als einen derartigen Anlass inmitten einer herrlichen Bergwelt und bei diesem Wetter? Das NOS bietet die ideale Plattform und macht Freude auf das Eidgenössische Schwingfest in zwei Jahren.»
Besondere Könige
Neben der Glarner Regierung gaben sich in Glarus auch Könige die Ehre. Der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden kommentierte am Schweizer Fernsehen, das während des gesamten Tages live übertrug, mit. Abderhalden lobte Roger Rychen für die Wettkampfvorbereitung aufs NOS. Rychen hatte auf Obstock im Ferienhaus übernachtet und war von dort an den Wettkampf gefahren, um das «Eidgenössische» in zwei Jahren zu simulieren. «Ich finde es gut, dass sich Rychen mental schon jetzt mit diesem Grossanlass beschäftigt.» Den Sieg am NOS traute Abderhalden Rychen dennoch nicht zu. «Armon Orlik macht mir einen zu starken Eindruck.»
Der zweifache König Ernst Schläpfer genoss das Fest als Ehrengast und liess sich in der Mittagspause einen Siegertipp entlocken. «Domenic Schneider», sagte Schläpfer nach kurzem Zögern. «Das meinen Sie wirklich?», frage ich zurück. «Ja, warum nicht? Er bringt die Voraussetzungen zum Sieg mit.» Auf mein «Ja, aber» entgegnet Schläpfer: «Das ist das Schöne am Schwingen. Man braucht nicht ein Modellathlet sein, um ganz vorne mitzuschwingen. Man muss seine Qualitäten im richtigen Moment ausspielen können. Was nützt es, wenn man im Training 400 Kilogramm hochhebt, wenn kein Schwinger mehr als 150 Kilogramm wiegt?» Auch mit 67 Jahren hat Schläpfer pointierte Aussagen auf Lager.