Fabrizia Famos im Schlaraffenland der Ornamente
Seit dem 2. August 2018 lebt und arbeitet die Bündner Holzbildhauerin Fabrizia Famos in einer anderen Welt. Vom beschaulichen Engadiner Dörfchen Ramosch über die Bündner Hauptstadt Chur ist sie in die grösste Stadt Afrikas, nach Kairo gelangt. Dort kann sie dank eines Atelierstipendiums der Stadt Chur ein halbes Jahr lang leben und vor allem arbeiten. Ende Januar geht für Famos die Zeit in Ägypten zu Ende. RSO-Moderatorin Carmen Hartmann hat mit ihr über ihrer Zeit in Kairo gesprochen.
Nun ist Famos wie gesagt Bildhauerin. Ihr Material ist Holz in allen Formen und ihr Werkzeug sind Hammer, Meissel und Hobelbank. Hört man der Engadinerin aber zu, wie sie von ihrer Ankunft in Kairo erzählt, die Wohnung beschreibt in der sie lebt, und wie die Stadt Kairo sie in ihrem bildhauerischen Schaffen inspirierte, dann könnte man sie sich auch mit Feder und Tintenglas an einem hübschen Sekretär sitzend und geschwungene Worte zu Papier bringend vorstellen.
Wir lassen darum die wunderbaren Bilder, die sie beim Erzählen entstehen lässt, für sich sprechen.
Die Ankunft in Kairo und das Leben in ihrer Künstlerwohnung
«Ich wohne in Downtown, in einem riesigen Haus, das über 100 Jahre alte ist. Als ich das Haus bei meiner Ankunft in Kairo zum ersten Mal betreten habe, bin ich mir vorgekommen wie in einem Märchen. Ich stand in einer riesigen Eingangshalle, von der unzählige Treppen, Lifte und Türen wegführen. Dann sind drei Frauen in farbigen Gewändern an mir vorbeigeschlendert und plötzlich ist aus einem Gang ein alter Mann in einem langen Gewand und mit einem Turban auf mich zugeweht. Das war der Türsteher des Hauses, der mir dann den richtigen Lift zur Wohnung gezeigt hat.
Die Wohnung ist ebenso riesig. Das Fenster im Schlafzimmer ist grösser als jede Wohnungstür in Chur. Alles ist ein bisschen heruntergekommen und improvisiert. Zum Beispiel hat die Tür, die von der Küche in den Innenhof führt, fünf Schlösser, wovon kein einziges hält, aber alle zusammen glaube ich schon. Das Beste ist, dass ich ein grosses, helles Atelier habe.»