SRF bi de Lüt: Terrihütte in Graubünden übernommen – «Ich würde das niemandem empfehlen»
Kaum haben Verena und Jochen die Schlüssel zur Terrihütte erhalten, treffen die ersten Gäste ein. Gleichzeitig sorgen die Baustelle und technische Probleme für Chaos.
Für Verena Kuhle und Jochen Schirmann bleibt nach der Übernahme der Terrihütte kaum Zeit zum Durchatmen. Nur einen Tag nach der Schlüsselübergabe sollen die ersten Gäste auf der Bündner SAC-Hütte eintreffen. Das neue Hüttenwartpaar übernimmt den Betrieb mitten in der laufenden Saison. Doch während sich die Hütte bereits füllt, ist der Umbau noch längst nicht abgeschlossen.
Nach nur einem Tag kommen die ersten Gäste
Normalerweise bleibt einem neuen Hüttenwartteam Zeit, um sich mit den Räumen, Geräten und Abläufen vertraut zu machen. Verena und Jochen haben diesen Luxus auf der Terrihütte nicht.
Bereits am Tag nach der Übergabe werden die ersten Gäste erwartet. Das Paar muss deshalb innerhalb kürzester Zeit herausfinden, wo Küchentücher, Käsereiben und andere wichtige Utensilien verstaut sind.
Parallel räumt das Team die angelieferten Vorräte ein und versucht, Ordnung in das anfängliche Chaos zu bringen. Vieles muss gleichzeitig geschehen: Lebensmittel verstauen, die Küche vorbereiten, Schlafplätze organisieren und die ersten Besucherinnen und Besucher bewirten.
Dabei sind Verena und Jochen keine Neulinge. Vor ihrem Wechsel bewirtschafteten sie während zehn Sommer- und Wintersaisons die Medelserhütte. Die Übernahme eines neuen Betriebs mitten in der Hochsaison stellt aber selbst das erfahrene Paar vor eine aussergewöhnliche Aufgabe.
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Die Spülmaschine macht erste Probleme
Ausgerechnet in der Küche zeigt sich, dass auf der Terrihütte noch nicht alles wie geplant funktioniert. Die Geschirrspülmaschine bereitet Probleme, zudem stimmt der Wasserdruck offenbar nicht.
Auf einer gut besuchten Berghütte kann ein solcher Defekt schnell zum ernsthaften Problem werden. Wenn zahlreiche Gäste essen und trinken, fällt innerhalb kurzer Zeit viel Geschirr an. Eine funktionierende Spülmaschine ist deshalb weit mehr als eine Annehmlichkeit.
Verena und Jochen bleibt jedoch keine Zeit für eine längere Fehlersuche. Während sie versuchen, den Betrieb zum Laufen zu bringen, treffen bereits die ersten Wanderinnen und Wanderer ein.
Auch eine Gruppe des Militärs wird erwartet. Damit wächst der Druck zusätzlich: Das neue Team muss vom ersten Tag an eine grössere Zahl von Gästen versorgen, obwohl es die technischen Eigenheiten der Hütte erst kennenlernt.
Die Terrihütte bleibt gleichzeitig eine Baustelle
Zu den Problemen in der Küche kommt der laufende Umbau. Die traditionsreiche Terrihütte wird erweitert und saniert, während der Gästebetrieb weitergeht.
Die Handwerkerinnen und Handwerker arbeiten unter der Woche auf der Hütte und übernachten ebenfalls dort. Für Verena und Jochen bedeutet das, dass sie neben den regulären Gästen auch die Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter in den Tagesablauf einplanen müssen. Doch wie kommt der ganze Lärm bei den Besucherinnen und Besuchern der Terrihütte an?
Die Baustelle verändert nicht nur die verfügbaren Räume. Immer wieder müssen Abläufe angepasst und Lösungen improvisiert werden. Gäste, Hüttenpersonal und Handwerkerinnen und Handwerker teilen sich zeitweise dieselbe Infrastruktur.
Ganz unvorbereitet trifft das Paar diese Aufgabe allerdings nicht. Jochen arbeitet auch als Bauleiter, Verena ist Architektin. Die eigentlichen Bauarbeiten machen den beiden deshalb weniger Angst als die Kombination aus Umbau, Hochsaison und sofortigem Gästebetrieb.
Jochen zieht ein deutliches Fazit
Schon nach kurzer Zeit erkennt Jochen, wie aussergewöhnlich die Situation ist. Eine neue Hütte während der laufenden Saison zu übernehmen, hält er für eine Aufgabe an der Grenze des Machbaren.
«
Ich empfehle niemandem, in einer laufenden Saison eine Hütte zu übernehmen. Das ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.»
Seine Warnung fällt entsprechend deutlich aus: Er würde niemandem empfehlen, einen Hüttenbetrieb auf diese Weise zu übernehmen.
Trotzdem versuchen Verena und Jochen, den ersten Tag zu bewältigen. Sie suchen fehlende Gegenstände, kümmern sich um die Technik und empfangen gleichzeitig ihre Gäste. Für eine ruhige Eingewöhnung bleibt keine Zeit.
Gerade darin liegt die besondere Herausforderung: Das Paar muss die Terrihütte nicht erst kennenlernen und später eröffnen. Es muss lernen, während der Betrieb bereits läuft.
Terrihütte liegt auf 2170 Metern in der Greina
Die Terrihütte liegt auf 2170 Metern in der Bündner Greina-Ebene. Die viel besuchte SAC-Hütte verfügt über mehrere Aufenthaltsräume und zwölf Zimmer. Sie ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Wanderungen durch die Greina und für Übergänge zwischen Graubünden und dem Tessin.
Für Verena und Jochen beginnt dort ein neues Kapitel. Nach ihrer langjährigen Zeit auf der Medelserhütte wollen sie die Terrihütte gemeinsam führen – trotz Baustelle, Hochsaison und eines Starts, der ihnen vom ersten Tag an alles abverlangt.