Umfrage bis Ostern: Was denken die Einheimischen über den Tourismus?
Eine Bruttowertschöpfung von 590 Millionen Franken, 3,23 Millionen touristische Übernachtungen und 4865 von 12 755 Stellen, die direkt oder indirekt davon abhängig sind: Was der Tourismus für die Region Prättigau/Davos wirtschaftlich bedeutet, wurde in einer vor einem guten Jahr publizierten kantonalen Wertschöpfungsstudie deutlich aufgezeigt. Und wenn sie auch nicht alle elf Gemeinden gleichermassen betrifft, so stellt sich doch die Frage, wie die Region und damit die Gemeinden für die Branche gute Rahmenbedingungen schaffen und die Zukunft sichern können. Das ist das Ziel des Tourismusleitbilds, das die Regionalentwicklung Prättigau/Davos im Laufe des Jahres erarbeiten will.
Für die Regionalentwicklung geht es dabei um das Gesamtbild, nicht nur um wirtschaftliche Aspekte. Der Tourismus bringt Verdienst, Geld und ein grosses Angebot (Sport, Anlässe, Kultur, Einkaufen, Infrastruktur) in die Region, die es ohne Tourismus schlicht nicht gäbe. Aber er hat auch noch andere Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt. Der knappe und teure Wohnraum in den Tourismusgebieten oder die Verkehrsprobleme an Spitzenzeiten betreffen die Bevölkerung beispielsweise direkt. «Für ein Tourismusleitbild wäre es wichtig zu wissen, wie die Einheimischen das alles beurteilen», sagt Nadja Fleischli, Leiterin der Regionalentwicklung Prättigau/Davos, «schliesslich geht es um ihren Lebensraum und ihre Zukunft hier in der Region.» Und von einzelnen, dann oft negativen Rückmeldungen auf sozialen Medien oder in Leserbriefen aufs Ganze zu schliessen, sei auch nicht zulässig.
Einheimische erstmals im Fokus
Die Region Prättigau/Davos hat deshalb bei der FHGR eine Umfrage zur Tourismuswahrnehmung und –akzeptanz in Auftrag gegeben. «Das ist in der Region, aber auch im Tourismuskanton Graubünden unseres Wissens noch nie gemacht worden», so Fleischli. Ziel ist es, plausible Ergebnisse über die Meinungen in den verschiedenen Gemeinden, allenfalls in den Subregionen (zum Beispiel Vorderprättigau) zu erhalten und auch mutmasslich vorhandene Unterschiede innerhalb der Region zu erkennen.
Die Umfrage richtet sich in erster Linie an Einheimische in den Gemeinden der Region, kann aber auch von Zweitheimischen beantwortet werden. Die anonymisierte Beantwortung der Fragen sollte nicht mehr als zehn Minuten beanspruchen und ist ausschliesslich online möglich. Um den Aufwand in Grenzen zu halten, wird auf weitere Mittel wie Telefon- oder Strasseninteviews verzichtet. «Wir haben damit bei anderen Themen gute Erfahrungen gemacht», sagt Gian-Reto Trepp vom federführenden Institut für Tourismus und Freizeit (ITF) der FHGR (Fachhochschule Graubünden), «wer keinen Internet-Zugang hat, kann vielleicht auch Bekannte um Hilfe bitten».