Dominik Hüsler ist mit dem Thema Schlaf aufgewachsen. Sein Vater entwickelte vor mehr als vierzig Jahren das Hüsler Nest – aus der Überzeugung, dass sich ein Bett dem Menschen anpassen sollte.
Dominik Hüsler, als Sohn des Firmengründers sind Sie mit Hüsler Nest aufgewachsen. Wann kamen sie zum ersten Mal mit dem Thema in Kontakt?
Ich war elf Jahre alt, als ich mein erstes Hüsler Nest bekam. Ich hatte mir eigentlich ein ferngesteuertes Auto gewünscht – stattdessen bekam ich ein Bett. Im ersten Moment war ich enttäuscht (lacht). Heute bin ich dafür sehr dankbar.
Wie war es, in so einem Pionierhaushalt aufzuwachsen?
Die Themen Schlaf und Betten waren in unserer Familie immer präsent. Mein Vater hatte selbst sehr grosse Rückenprobleme und begann deshalb, verschiedene Betten auszuprobieren und selbst zu konstruieren. So hat er sich das Wissen über Bett und Schlaf gewissermassen autodidaktisch erarbeitet. Er war gelernter Schreiner und brachte gleichzeitig viel Wissen aus der Architektur und Statik ein, von dem wir noch heute profitieren. Eine seiner Grundideen war: Ein Bett sollte unabhängig von Körpergrösse und Gewicht funktionieren. Es sollte immer gerade sein und nicht durchhängen. Ähnlich wie eine Brücke, die, egal ob LKW oder Velo sie befahren, immer gerade ist. Diese Überlegung auf das Bett übertragen bedeutet, dass die Latten nicht aussen, sondern nach Innen versetzt aufliegen, frei beweglich federn und ein Durchhängen dauerhaft verhindert wird.
War das ein linearer Lernprozess?
Nein, überhaupt nicht. Es war eher «trial and error». Mein Vater hat ausprobiert, was funktioniert, und manchmal gab es dabei auch kuriose Situationen. Einmal ist er mitten in der Nacht aufgestanden, um sein Bett zu zersägen – weil er merkte, dass es nicht funktionierte, so wie er sich das vorgestellt hatte. 1982 war die Konstruktion schliesslich fertig und mein Vater gründete die Firma. Das Hüsler Nest sah damals natürlich noch anders aus als heute. Im ersten Jahr lieferte er mit seinem Team 300 Betten aus – also fast jeden Tag eins. In der Schreinerei und Näherei wurden die Betten, Lättchen und Betttextilien selbst produziert. Ich bin 1992 zur Firma gestossen und habe seither verschiedene Bereiche kennengelernt – von der Schreinerei und Produktion über den Verkaufsinnendienst und Aussendienst bis zur Produktschulung unserer Partner.
Sie haben sich auch mit Feng-Shui beschäftigt. Wie viel Einfluss hat unsere Schlafumgebung tatsächlich auf die Schlafqualität?
Sehr viel. Wir bauen uns gewissermassen unser eigenes Nest. Der engste Kreis dieses Nests ist das Bett, aber eigentlich gehört die gesamte Umgebung dazu. Wenn wir schlafen gehen, schaltet sich unser Bewusstsein aus. Wir sind dann sehr verletzlich und darauf angewiesen, dass wir uns sicher und geborgen fühlen. Wenn diese Sicherheit fehlt oder die Umgebung ungemütlich ist, kann es schwieriger sein, wirklich herunterzufahren. Das ist ein Aspekt, mit dem sich auch Feng-Shui beschäftigt.
Inwiefern? Indem ich zum Beispiel ein Bett so im Raum platziere, dass ich die Eingangstür im Blick habe. Das kann ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Für mich gehören deshalb Schlaf, Innenarchitektur und Raumpsychologie zusammen.
Warum schlafen manche Menschen problemlos in einem Hotelbett, während andere schon kleine Veränderungen ihrer Schlafumgebung spüren?
Menschen reagieren sehr unterschiedlich. Es gibt sehr sensible Menschen und andere, die viel weniger empfindlich auf Veränderungen reagieren. Dazu kommt: Gerade in den Ferien schlafen manche Menschen besonders gut. Sie sind weniger belastet, bewegen sich mehr, gehen schwimmen oder wandern, sind generell aktiver.
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Jeder von uns hat einmal eine schlechte Nacht. Das darf auch sein. Es ist die Summe, die es ausmacht.»
Dominik Hüsler
Woran merke ich überhaupt, ob ich gut schlafe?
Letztlich geht es um die Summe. Jeder von uns hat einmal eine schlechte Nacht. Das darf auch sein. Entscheidend ist, wie es mir über längere Zeit geht. Wenn ich ständig schlecht schlafe, tagsüber müde bin, viel gähne, mich schlapp oder unkonzentriert fühle oder das Gefühl habe, den Alltag nicht mehr richtig bewältigen zu können, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Viele Faktoren können eine Rolle spielen, das Bett ist einer davon und da sind wir die Spezialisten. Aber auch andere Aspekte wie Verdauungsprobleme in der Nacht oder Wechseljahre können den Schlaf negativ beeinflussen. Wenn Schlafprobleme anhalten, ist es sinnvoll, sich auch medizinische Unterstützung zu holen.
Smartwatches und Schlaf-Apps messen heute unsere Nächte bis ins Detail. Helfen uns diese Daten tatsächlich dabei, besser zu schlafen?
Das ist sehr individuell. Wenn das Schlaftracking zusätzlichen Stress verursacht, bringt es natürlich wenig. Ich habe selbst eine Uhr, um meinen Schlaf zu tracken. Es ist mein Ritual, mir nach dem Aufstehen einen Kaffee zu machen, mich hinzusetzen und mich zuerst einmal zu fragen: Wie habe ich eigentlich geschlafen? Wie fühle ich mich? Erst dann schaue ich auf den Tracker. Die Geräte können beispielsweise Schlafphasen, Herzfrequenz, Temperatur oder die Herzfrequenzvariabilität messen. Spannend finde ich vor allem den Vergleich zwischen dem eigenen Empfinden und den Daten.
Welchen weitverbreiteten Irrtum zum Thema Schlaf würden Sie gern aus der Welt schaffen?
Zum Bett gibt es zwei verbreitete Vorstellungen, die ich gerne korrigieren würde: dass nur ein hartes Bett ein gutes Bett ist. Und dass nur das Schlafen auf dem Rücken gesund ist. Oft wird argumentiert, dass wir Menschen evolutionär an harte Untergründe angepasst seien, weil unsere Vorfahren auf dem Höhlenboden geschlafen hätten. Aber die Menschen dieser Zeit wurden nicht 80 Jahre alt. Wenn man sich die Geschichte anschaut, findet man in praktisch jeder Hochkultur Betten – ob in Japan, im alten Ägypten oder bei den Römern. Für mich ist deshalb der entscheidende Punkt: Ein gutes Bett passt sich dem Körper an und nicht der Körper dem Bett. Das kann dazu beitragen, dass wir uns besser regenerieren, länger leistungsfähig bleiben und gesund altern.
Wo unterscheiden sich Ihre Vorstellungen von gutem Schlaf heute vielleicht von denen Ihres Vaters?
Sie decken sich stark. Mein Vater hat bereits Mitte der 1980er-Jahre «Eine kleine Bettlektüre» geschrieben, ein Büchlein mit seinen Erkenntnissen zum Thema Schlaf. Im Jahr 2023, ein Jahr vor seinem Tod, haben wir die Inhalte gemeinsam überarbeitet. Das war enorm schön. Was vielleicht erstaunt: Obwohl das Buch damals schon mehrere Jahrzehnte alt, mussten wir nicht alles auf den Kopf stellen. Wir haben seine Erkenntnisse mit aktuellen Studien und wissenschaftlichen Nachweisen untermauert. Rein technologisch hat sich hingegen viel verändert. Wir können heute gewisse Dinge präziser messen und wissen beispielsweise mehr über elektromagnetische Felder und ihre möglichen Auswirkungen.
Über Dominik Hüsler:
Jahrgang 1970, ist mit dem Thema Schlaf und dem Hüsler Nest aufgewachsen. 1992 stieg er in das von seinem Vater gegründete Unternehmen ein und lernte dort verschiedene Bereiche kennen – von der Schreinerei und Produktion bis zu Verkauf und Produktschulung. 2004 absolvierte er eine zweijährige Ausbildung in Feng-Shui und machte sich 2008 selbständig. Heute ist er wieder voll im Unternehmen Hüsler Nest und bringt sein Wissen und die Erfahrung in Beratungen und Schulungen ein.
Über Hüsler Nest:
Was 1982 mit einer Idee des Schweizer Schreiners Balthasar Hüsler begann, ist heute ein Schlafsystem mit eigener Philosophie: Statt den Körper mit einer möglichst festen Unterlage zu stützen, soll sich das Bett an ihn anpassen. Herzstück des Systems ist die Kombination aus Federelement, Matratze und Auflage, die gemeinsam für eine möglichst natürliche und gesunde Liegeposition sorgen. Gefertigt wird das Schlafsystem in der Schweiz; dabei setzt Hüsler Nest auf natürliche Materialien und langlebige Produkte.