Wie Tourismusorte schleichend Wohnraum für Einheimische verlieren
Diverse Tourismusorte im Kanton Graubünden haben zu wenig freie Wohnungen für Einheimische und Fachkräfte. Für die Wohnungsknappheit gibt es verschiedene Gründe. So nennt der Bündner Volkswirtschaftsdirektor Marcus Caduff die Zweitwohnungsinitiative, die Umsetzung des Raumplanungsgesetzes, aber auch die Coronapandemie und die daraus entstehenden Homeoffice-Möglichkeiten als Ursachen.
Wie sich das Zweitwohnungsgesetz auf eine Gemeinde auswirkt, zeigt ein Forschungsprojekt der Fachhochschule Graubünden (FHGR). Die Hochschule untersuchte im Auftrag des Kantons von 2017 bis 2021, wie viele Wohnungen zu Ferienobjekten umgenutzt werden. Denn eine der Problematiken des Zweitwohnungsgesetzes ist, dass zwar grundsätzlich der Bau neuer Zweitwohnungen in Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von über 20 Prozent verboten ist. Aber: Die Umwandlung von altrechtlichen (Erst-)Wohnungen in Zweitwohnungen wird durch das Gesetz nicht beschränkt. Dies führt dazu, dass nach Angaben des FHGR-Berichtes schweizweit rund 32'000 Erstwohnungen mit hohem Gewinn als Zweitwohnungen verkauft werden können. Dass von dieser Möglichkeit rege Gebrauch gemacht wird, zeigt die Untersuchung der FHGR nun am Beispiel Flims auf. Jährlich erfolgen in der Gemeinde der Studie zufolge 22 solcher Umwandlungen.
Aufwendige Untersuchung der Fachhochschule Graubünden
Insgesamt wurden für den Bericht knapp 1000 Handänderungsanzeigen der Gemeinde Flims ausgewertet. «Was auf den ersten Blick nach einem vernachlässigbaren Problem aussieht, darf auf keinen Fall unterschätzt werden», analysieren die Autorinnen und Autoren des Berichts. Denn: Diese Umwandlungen «summieren sich längerfristig und entziehen dem Wohnungsmarkt Erstwohnraum. Werden keine neuen Erstwohnungen errichtet, kann sich so das Unterangebot an verfügbarem Wohnraum drastisch zuspitzen.»
Was das im konkreten Beispiel für Auswirkungen hat, machte der Flimser Gemeindepräsident Martin Hug gegenüber dieser Zeitung bereits klar: «Es fehlen alleine in Flims über hundert Personalwohnungen.» Ohne diese Wohnungen würden die Dienstleister keine Arbeitskräfte bekommen, was sich negativ auf die gesamte Gemeindestruktur auswirke. Auch für einheimische Familien und Einzelpersonen gebe es zu wenig Wohnraum. Oder in Zahlen: In Flims standen statistisch bei einem Gesamtwohnungsbestand von knapp 5'200 Wohnungen im vergangenen Jahr nur gerade sieben Wohnungen leer. Andernorts ist die Situation nicht entscheidend besser.