Sydney Schertenleib und ihre verschiedenen Rollen
Sydney Schertenleib ist im Schweizer Nationalteam Leistungs- und Hoffnungsträgerin. Im Verein hat sie derweil noch eine andere Rolle.
Es ist Mitte April, als Sydney Schertenleib über 12'000 Menschen im Letzigrund zum Jubeln bringt. Die 19-Jährige zeigt sich an jenem Abend im Nations-League-Spiel gegen die Türkei von ihrer besten Seite. Während Captain Lia Wälti im Mittelfeld einen für sie unterdurchschnittlichen Tag erwischt, prägt Schertenleib die Partie. Und hat damit grossen Anteil am 3:1-Sieg.
Das beste Spiel bisher
Trainer Rafel Navarro sagt nach dem Spiel, dass sie die Beste auf dem Platz gewesen sei. «Sie will dem Team helfen, eine Leaderin sein. Heute war sie das.» Mit einigen Wochen Abstand sagt auch Schertenleib, es sei eines ihrer besten Spiele im Dress des Nationalteams gewesen, auch wenn sie sich vor allem ohne Ball noch weiter verbessern könne.
Der Spielstil von Navarro kommt dem technisch starken, spielintelligenten Teenager entgegen – vor allem, weil er in der Grundidee jenem in Barcelona ähnelt, wo Schertenleib seit nun zwei Jahren bei einem der besten Teams der Welt spielt.
«Im Verein habe ich eine andere Rolle als in der Nati, wo ich führen kann», sagte Schertenleib bereits in der Vergangenheit. Vor der Partie gegen Malta am Freitagabend erklärt sie im Rahmen einer Medienrunde: «Ich glaube, am Anfang der Saison hatte ich mir das anders vorgestellt. Ich dachte, ich hätte vielleicht ein bisschen mehr Spielzeit im Klub.»
Durch Eisenmangel gebremst
So lernt sie beim frischgebackenen Champions-League-Sieger zwar von Weltklasse-Spielerinnen wie Aitana Bonmati oder Alexia Putellas. Auch in der Meisterschaft darf sie immer wieder von Beginn weg ran. Aber in den grossen Spielen – in der Champions League oder im Cup – muss sie sich meist mit Kurzeinsätzen zufriedengeben. Wenn überhaupt.
Schertenleib sagt, sie wisse, in was für einem Team sie spiele, sei sich der Konkurrenz bewusst. Hinzu kommt, dass sie – so sagt sie selbst – zu Beginn der Saison nicht gut trainierte. «Ich hatte starken Eisenmangel und konnte deswegen nicht 100 Prozent geben. Das dauerte zwei, drei Monate.» Und wenn man beim «besten Verein der Welt» in den Trainings nicht performe, dann spiele man auch nicht. Daraus habe sie nun gelernt. In dieser Sommerpause werde sie, anders als vor einem Jahr, ihre Eisentabletten regelmässig nehmen, um neuerlichen starken Eisenmangel zu verhindern.