Spannungen zwischen Moskau und dem Baltikum wachsen
Zwischen Russland und den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen verschärfen sich die Spannungen.
Auslöser sind die schmerzhaften ukrainischen Drohnenangriffe auf den Nordwesten Russlands – Moskau gibt den Balten eine Mitschuld. Andererseits schweifen immer wieder ukrainische Drohnen in den Luftraum der drei EU- und Nato-Länder ab – diese vermuten dahinter russische elektronische Kampfführung.
Estland hat eine solche Drohne abgeschossen. Am Mittwoch herrschte in Litauen erneut Drohnenalarm. Die Staatsspitze in Vilnius wurde zum Schutz vorübergehend in Bunker gebracht. Und in der prekären Sicherheitslage der kleinen Ostsee-Anrainer kommt noch Streit wegen der russischen Exklave Kaliningrad dazu.
Drohungen aus Moskau gegen Lettland
Russlands Auslandsgeheimdienst SWR warf Lettland vor, ukrainische Drohnen würden von lettischem Gebiet aus gestartet. Ohne jeden Beleg behauptete der Geheimdienst, ukrainische Drohneneinheiten seien bereits auf mehreren lettischen Militärbasen stationiert.
Unverhohlen drohte der SWR, dass die «Koordinaten der Entscheidungszentren in Lettland bekannt» seien. Selbst die Nato-Mitgliedschaft werde das Land nicht vor Vergeltung schützen. Diese Warnung wurde auch von Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja vor dem UN-Sicherheitsrat wiederholt, dem Lettland gegenwärtig als nichtständiges Mitglied angehört.
Beistandsbekundungen aus Brüssel
Die Regierung in Riga und die lettische UN-Vertreterin Sanita Pavluta-Deslandes wiesen die Äusserungen als unverfrorene Lüge zurück. In einer von lettischen Medien aufmerksam registrierten Wortmeldung setzte sich im Sicherheitsrat auch die US-Vertreterin Tammy Bruce für Lettland ein. Die Diplomatin verurteilte die Drohungen und sagte, dass die USA zu ihren Nato-Verpflichtungen stünden.
Beistand und Solidarität kam auch aus Brüssel. «Russlands öffentliche Drohungen gegen unsere baltischen Staaten sind vollkommen inakzeptabel», schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Plattform X. Nato-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete die russischen Behauptungen auf einer Pressekonferenz als «völlig absurd» – und Russland wisse das.