Pegel des Bodensees sinkt auf historischen Tiefstand
Im westlichen Teil des Bodensees ist der Wasserstand auf den tiefsten je gemessenen Pegelstand für den Monat Juni gesunken. Grund sind lange ausgebliebene Niederschläge im gesamten Einzugsgebiet des Bodensees sowie die geringen Schneemengen in den Bergen.
Am Ufer des Untersees liegen Boote auf Grund. Über Monate habe es zu wenig geregnet, besonders der April war sehr trocken, sagt Heinz Ehmann, Leiter der Thurgauer Abteilung Gewässerqualität und -nutzung. Dadurch konnte sich auch in den Bergen zu wenig Schnee ansammeln, um den Pegel des Sees mit der Schmelze entscheidend anzuheben.
Auf solche Trockenperioden reagiert der Bodensee besonders empfindlich. Er ist nebst dem Walensee der einzige der grossen Schweizer Seen, der nicht reguliert ist. Dadurch wirken sich Hoch- und Tiefwasser jeweils besonders stark aus. Derzeit liegt der Pegel gemäss hydrologischen Daten des Bundes rund einen Meter unter dem langjährigen Durchschnitt im Juni.
Tiefe Seepegel dürften künftig öfter auftreten, erklärt Ehmann gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA weiter. «Mit dem fortschreitenden Klimawandel werden künftig die Temperaturen weiter steigen und gleichzeitig die Verdunstung zunehmen.»
Der winterliche Niederschlag werde häufiger in Form von Regen fallen, wodurch in den Bergen der Schnee immer öfter fehlen werde. Von rund 200 Zuflüssen ist mit einem Anteil von etwa 62 Prozent der Rhein der mit Abstand bedeutendste Wasserlieferant für den Bodensee.
Trinkwasserentnahme hat wenig Einfluss
Nur geringe Auswirkungen auf den Pegel hat die Trinkwasserversorgung. Der Bodensee dient rund fünf Millionen Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Trinkwasserspeicher. Die internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee schätzt den Einfluss der Trinkwasserentnahme auf einen niedrigen einstelligen Zentimeter-Bereich, erklärt Ehmann weiter.
Auch das Ökosystem leidet. Trockene Flachwasserbereiche fallen als wichtige Brut- und Laichgebiete für Fische, Amphibien und Wasservögel aus. Für Jungfische schrumpfen Schutz- und Nahrungsräume.