Luis Enrique macht aus Stars ein kämpferisches Ganzes
Luis Enrique hat Paris Saint-Germain grundlegend verändert. Ohne die einstigen Superstars formte der Spanier ein Team, das am Samstag den zweiten Champions-League-Titel in Folge gewinnen will.
Nasser Al-Khelaifi wusste nach dem Finaleinzug in München Anfang Monat ganz genau, wem er die erste Laudatio schuldete. Der Katarer, der seit der ersten Stunde die Geschicke vom neuen, seit 2011 sehr reichen Paris Saint-Germain leitet, sprach von Luis Enrique: «Seine Verpflichtung war mein bester Entscheid der letzten 15 Jahre. Er ist ein fantastischer Trainer, der beste Coach der Welt, und auch menschlich grossartig.»
In den 90 Minuten vor dem Interview hatte der vor Freude strahlende Al-Khelaifi in der Münchner Arena mitangesehen, wie sein Team taktisch geschickt und kämpferisch vorbildlich den in dieser Saison so eindrucksvollen Bayern München neutralisiert hatte. Eine Woche nach dem 5:4 verlegte sich PSG auf eine vorsichtigere Spielweise und sicherte sich mit viel Spielintelligenz das benötigte Remis. Der PSG-Boss, der schon verschiedene kostspielige Pariser Versionen in der Champions League in den wichtigen Momenten auseinanderbrechen gesehen hatte, konnte festhalten: «Die Spieler haben gezeigt, dass sie Krieger sind und zusammen kämpfen.»
Das Team zum Star gemacht
Luis Enrique hat geschafft, woran seine Vorgänger, egal wie namhaft sie waren, gescheitert sind. Der 56-jährige Spanier machte aus PSG eine Einheit. Aus einer Ansammlung von Stars wurde ein Team, das Siegeswille und Spielfreude ausstrahlt. Es ist eine Metamorphose, die der Klub unter seiner Regie vollzogen hat. Vor seiner Ankunft im Sommer 2023 stritten Lionel Messi, Neymar und Kylian Mbappé um Penaltys und Skorerpunkte, egal wie es der Mannschaft lief. Heute rennt jeder für jeden und scheint die Ideen des Coaches verinnerlicht zu haben. «Er hat meinen Blick auf den Fussball verändert», sagt nicht nur Rechtsverteidiger Achraf Hakimi über den Erfolgstrainer.
Als mit Mbappé im Sommer 2024 der letzte der Superstars den Klub verliess, sagte Luis Enrique: «Wir werden nächste Saison besser sein, weil ich dann alles kontrollieren kann, was auf dem Feld passiert.» Der aktuelle Goalgetter von Real Madrid war der Spieler, der nicht so mitzog, wie es Enrique wollte. Sein Abgang, den die PSG-Führung gern verhindert hätte, erwies sich für den Trainer als Glücksfall. In wenigen Monaten formte er danach eine Mannschaft, die sich brillant zum ersten Champions-League-Titel spielte.