Livano Comenencia und das Märchen von Curaçao
Erstmals nimmt Curaçao an der WM teil. In einer Gruppe mit Deutschland, Ecuador und der Elfenbeinküste wäre Weiterkommen eine Sensation. Mittendrin im Märchen ist der FCZ-Spieler Livano Comenencia.
«Ich habe am ganzen Körper gezittert. Dann habe ich sofort angefangen zu weinen. Wir haben uns alle umarmt, die Fans sind aufs Feld gekommen. Dann haben wir gebetet und Gott gedankt, dass wir das erreichen konnten.»
Die Weltmeisterschaft steht kurz bevor, als Livano Comenencia diese Anekdote erzählt. Der Verteidiger des FC Zürich, der in der Nationalmannschaft als Mittelfeldspieler auf seiner Lieblingsposition eingesetzt wird, beschreibt einer kleinen Medienrunde jenen Abend im November, an dem sich Curaçao erstmals für eine Weltmeisterschaft qualifizierte. Der Karibikstaat ist mit ungefähr 155'000 Einwohnern und einer Fläche von 444 Quadratkilometern das kleinste Land, das je an einer WM dabei war.
Der 22-Jährige spricht ruhig. Und trotzdem ist ihm die Freude anzusehen. Während des gesamten Gesprächs lächelt er. Immer wieder sagt er: «Wir haben Geschichte geschrieben.» So, als müsse er es sich selbst immer wieder in Erinnerung rufen, um es auch wirklich zu glauben.
Ein Vorbild für viele
Comenencia erzählt. Von der Qualifikation, von Curaçao, davon, wie stolz es ihn mache, für das Herkunftsland seiner Eltern zu spielen. Er, der eigentlich in den Niederlanden aufwuchs und dort auch sämtliche Nachwuchsstufen durchlief.
«Früher war Baseball der beliebteste Sport in Curaçao. Seit unserer Qualifikation ist es Fussball», erzählt Comenencia. Es fühle sich gut an, für die kommende Generation auch eine Art Vorbild zu sein. «Es gibt in den Niederlanden noch weitere Talente, die Wurzeln in Curaçao haben.» Für diese spielt Comenencia. Damit sich junge Spieler nicht gegen Curaçao entscheiden, nur weil die Niederlande bessere Chancen auf ein grosses Turnier haben.
«Nichts ist unmöglich»