Krieg im Libanon eskaliert weiter
Mit dem Vormarsch israelischer Bodentruppen im Libanon und möglichen neuen Angriffen im Raum der Hauptstadt Beirut eskaliert der Krieg in dem kleinen Mittelmeerland weiter.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte neue Angriffe auf Ziele der Hisbollah in Beiruts Vororten an, woraufhin viele Anwohner die Flucht ergriffen. Im Norden Israels ertönten unter neuem Beschuss der Miliz immer wieder Warnsirenen.
Netanjahu und sein Verteidigungsminister Israel Katz wiesen die Armee an, «terroristische Ziele der Hisbollah» in Beiruts Vororten anzugreifen, wie es in einer Mitteilung von Netanjahus Büro hiess. In einer Videobotschaft sagte Netanjahu anschliessend, es werde keine Situation geben, in der die Hisbollah israelische Orte und Bürger angreife, während ihr Hauptquartier in Beirut verschont bleibe. Verteidigungsminister Katz wiederum drohte: «Wenn es im Norden keine Ruhe gibt, wird es auch in Beirut keine Ruhe geben.»
Die als Dahija bekannten Vororte gelten als Hochburg der Hisbollah, sind aber auch dicht bewohnt. Seit Mitte April eine Waffenruhe verkündet wurde, griff Israels Armee dort seltener an – laut Medienberichten auf Wunsch der US-Regierung. Israelische Medien berichteten nun unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, Washington habe grünes Licht für neue Angriffe im Raum der Hauptstadt gegeben.
Anwohner Beiruts: «Wir halten das nicht mehr aus»
Die libanesische Armee versuchte an den Grenzen zu Beiruts Vororten, angesichts der vielen fliehenden Anwohner den Verkehr zu leiten. Einer von ihnen sagte, Eltern holten so schnell wie möglich ihre Kinder aus Schulen in dem Gebiet ab, um die Gegend umgehend zu verlassen. Ein Anwohner namens Imad machte – wie viele Libanesen – die Hisbollah und ihren Anführer Naim Kassim verantwortlich. «Genug Schweigen. Wir halten das nicht mehr aus», sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Auch im Süden hielten die Kämpfe an, nachdem israelische Truppen dort die Burg Beaufort auf einem 700 Meter hohen Bergrücken eingenommen hatten. Die libanesische Staatsagentur NNA meldete zahlreiche israelische Angriffe mit Kampfflugzeugen, Drohnen und Artillerie in der Nacht und am Morgen. Bei einem Angriff seien acht Menschen getötet und 19 weitere verletzt worden. Auch Wohn- und Gewerbegebiete und eine Tankstelle seien angegriffen worden. Libanesische Medien zählten rund 90 Angriffe im Süden allein am Sonntag.