Kollektivroman blickt vergnüglich hinter die Kulissen eines Verlags
Ein kleiner Schweizer Verlag mit gutem Ruf wird fünfzig. Um das zu feiern, gab er einen Kollektivroman mit dem Titel «Der Verlag» in Auftrag. Die Lektüre ist vergnüglich, die Buchvernissage Teil des Jubiläumsfests
Übersetzerin Pénélope hat etwas gegen Buchvernissagen. Nicht gegen die Sache selbst, aber gegen deren Bezeichnung, wie sie der befreundeten Autorin Susanna per Mail erklärt: «Buchvernissage, zum Kaputtlachen, das Wort. Kommt ja vom mittelalterlichen vernis, von dem wiederum das Wort Firnis stammt, und mit Vernissage ist der Tag der Fertigstellung eines Gemäldes gemeint, wenn die schützende Lackschicht auf das vollendete Kunstwerk aufgetragen wird, les jeux sont faits. Wird hier in Frankreich ausschliesslich für Ausstellungen benutzt.»
Kann es sein, dass Pénélope gern ein wenig mit ihrem profunden Wissen prahlt? Im Roman «Der Verlag» jedenfalls ist sie von vier Hauptfiguren die Gebildetste. Susanna hingegen kreist um die eigene Befindlichkeit. Nach Jahrzehnten als gefeierte Lyrikerin soll sie zum Verlagsjubiläum ihren ersten Roman vorlegen, steckt aber im Schreibstau. Dies treibt Verlagsleiterin Nola fast in den Wahnsinn, denn sie sollte an der kurz bevorstehenden Frankfurter Buchmesse für das Werk werben und Übersetzungslizenzen verkaufen. Und davon wiederum hängt das Sein oder Nichtsein des chronisch unterfinanzierten Verlags ab.
Fabulieren im Quartett
Wer die Buchbranche kennt, wird im Roman «Der Verlag» viel von dem finden, was Schweizer Verlagen aktuell Kopfzerbrechen und Exitenzängste beschert. Dass davon für einmal so munter, selbstironisch und mit vielen Pointen erzählt wird, schadet nicht und liest sich gut.
Spass an diesem Buch hatten wohl auch die vier, die es geschrieben haben. Man spürt ihre Fabulierlust. Sie übertreffen einander mit Wortschöpfungen und überzeichnen ihre Figuren zu Karikaturen.
Die Bündner Autorin Romana Ganzoni hat die Susanna-Teile des Romans «Der Verlag» geschrieben. Übersetzerin Lis Künzli leiht Pénélope ihre Stimme; wie die Romanfigur lebt sie in Toulouse. Die 36-jährige Autorin Karin Rey fühlt sich in die junge Verlagsleiterin Nola ein, die aus der Finanzbranche ins Buchgeschäft gewechselt hat und über so manches nur staunen kann. Und der Vierte im Schreibkollektiv, Autor Samuel Herzog, schickt Postkarten aus der Feder eines gewissen Peters ans Verlagsteam. Peter hat in der Wanderbuch-Abteilung gearbeitet, dann aber gekündigt, um auf Weltreise eine Erbschaft zu verprassen.