Klares Votum gegen Rumantsch Grischun
Eine der letzten Bastionen der romanischen Schriftsprache Rumantsch Grischun ist gefallen. Am Freitag hat die Gemeindeversammlung von Surses beschlossen, dass an den Schulen künftig wieder Surmiran unterrichtet wird. Der Entscheid fiel mit 213:141 überraschend deutlich.
Die ersten Sursetter Schülerinnen und Schüler werden bereits ab dem Schuljahr 2021/22 in Surmiran unterrichtet. Dies gilt allerdings nur für die erste Klasse. Jene Kinder, welche schon jetzt die Schule besuchen, werden weiterhin Rumantsch Grischun lernen.
Für Gemeindepräsident Leo Thomann war der Beschluss keine Überraschung. Für die Gemeinde Surses sei bereits der Entscheid des Grossen Rates 2011 ausschlaggebend gewesen, sagt er. Damals hatte die Regierung dem Kantonsparlament beantragt, die Idiome weiterhin zu unterstützen. «Deswegen sind die grossen romanischsprachigen Regionen Surselva und Engadin zum Idiom zurückgekehrt», sagt Thomann gegenüber Radio Südostschweiz. «Wir sind die einzigen, die Rumantsch Grischun noch unterrichten. Warum sollten wir das weiterführen?»
Entscheid mit Signalwirkung?
Der Entscheid von Surses könnte auch für die anderen Mittelbündner Gemeinden Signalwirkung haben. In Alblula und Lantsch/Lenz sind gleichlautende Volksinitiativen hängig. Über sie stimmt das Volk Ende August ab. Sollten sich auch Albula und Lantsch/Lenz für die Rückkehr zum Idiom entscheiden, würde Rumantsch Grischun lediglich noch in drei gemischtsprachigen Gemeinden als Schulsprache verwendet: Chur, Domat/Ems und Trin.