Im FC St. Gallen entbrennt nach dem Cupsieg ein Machtkampf
Noch während der Feier nach dem Cupfinal haben sich Konflikte innerhalb der Führung des FC St. Gallen offenbart. Inzwischen ist ein Machtkampf zwischen Verwaltungsrat und Aktionariat öffentlich geworden. Die St. Galler Regierung zeigt sich besorgt.
Es schien ein Misston in der ausgelassenen Feierstimmung nach dem Cupsieg des FC St. Gallen am Pfingstsonntag in Bern zu sein. Auf dem Kunstrasen erklärte Präsident Matthias Hüppi, es gebe im Klub Tendenzen, «die wir in dieser Form nicht akzeptieren werden». Für ihn sei es unvorstellbar, «dass in der besten Phase der Klubgeschichte nicht alle geschlossen hinter uns stehen».
Hüppi war von den SRF-Moderatoren auf ein Transparent der Fankurve angesprochen worden. «Hinder dem Triumph stönd die Richtige», hiess es darauf. «Danke Beni, Patrick G., Christoph, Peter und Matthias!» Bei dieser Aufzählung der Vornamen der Verwaltungsratsmitglieder fehlte einer: Patrick Thoma war als Vertreter des Aktionariats erst im letzten Herbst in den Verwaltungsrat gewählt worden. Vorher waren die grössten Aktienbesitzer nicht im Gremium vertreten.
Viele offene Fragen
Mehr Hintergründe über den Konflikt zwischen dem Aktionariat und dem bisherigen Verwaltungsrat lieferten am Montagabend verschiedene Berichte auf der Online-Plattform des St. Galler Tagblatts. In den Grundzügen wurden die Informationen am Dienstagvormittag durch den St. Galler Nationalrat Benedikt Würth (Mitte) in einem Interview bestätigt. Er ist eines der bisherigen Mitglieder des FCSG-Verwaltungsrats.
Danach ist eine Machtübernahme durch Vertretungen des Aktionariats geplant. Vier bisherige Verwaltungsratsmitglieder – darunter Würth – sollen durch vier neue Mitglieder ersetzt werden. Darunter sind laut verschiedenen Medienberichten Marwin Hitz, bis vor kurzem Torhüter des FC Basel, sowie der ehemalige St. Galler SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker. Kölliker soll Hüppi kurz- oder mittelfristig als Präsident ablösen.
Gegenüber SRF erklärte Kölliker, er sei vor rund sechs Wochen vom Aktionariat kontaktiert worden. Ihm sei aufgezeigt worden, dass es Rücktritte aus dem Verwaltungsrat gebe und dass der Vertrag mit dem Präsidenten Hüppi Ende Jahr auslaufe. Danach habe er seine Bereitschaft signalisiert, das Amt zu übernehmen.