«Ich bedaure das unendlich»
Es war nur ein kurzer Moment, in dem Tarzisius Caviezel nicht aufmerksam war. Doch er genügte. In dem Moment, als der Davoser Landammann die Leine an seinem Hund wechseln wollte, riss sich dieser los – und sprang davon. Caviezel rannte seinem Hund nach, lief durch den Wald hinunter zur Kantonsstrasse in Davos Clavadel. Er folgte dem Bellen, das er aus der Entfernung hören konnte. Was er als Nächstes sah, machte ihn traurig: Sein Hund – ein Schweisshund – stand neben einem Reh, das im eigenen Blut lag.
Caviezel machte eine Erfahrung, die im Kanton Graubünden nicht wenige Hundebesitzer gemacht haben: Der eigene Hund reisst ein Reh. In einem milden Winter reissen Hunde zwischen 40 und 50 Tiere im Jahr. In einem harten Winter sind es sogar zwischen 70 und 80 Tiere. Und es gilt als Verstoss gegen das Gesetz.
Hund tut, was er tun soll
«Ich bedaure das unendlich», sagt Caviezel. «Leider kann ich nicht in der Zeit zurückreisen, um das Geschehnis rückgängig zu machen.» Er habe einen Fehler gemacht. Den Fehler, nicht genügend aufmerksam gewesen zu sein. «Ich weiss, dass das eine Anzeige gegen mich zur Folge haben wird. Und dafür trage ich die volle Verantwortung», sagt Caviezel.
Seinem Hund drohen keine Konsequenzen. So muss er etwa nicht damit rechnen, eingeschläfert zu werden. Caviezel sieht denn auch keinen Fehler bei seinem Hund. «Mein Hund hat nichts falsch gemacht. Er hat nur das getan, wozu er ausgebildet wurde», sagt Caviezel. Mit anderen Worten: Sein Hund wurde dazu ausgebildet, die Fährte eines verletzten Tieres aufzuspüren. Und das hat er getan. Deshalb glaubt Caviezel auch, dass das Reh bereits verletzt war.