Gewalt und Polarisierung prägen Präsidentenwahl in Kolumbien
Kolumbien wählt heute vor dem Hintergrund wachsender Gewalt und tiefer politischer Spannungen einen neuen Präsidenten. Rund 41 Millionen Bürger sind dazu aufgerufen, einen Nachfolger des linken Präsidenten Gustavo Petro zu bestimmen, der gemäss Verfassung nicht erneut kandidieren darf.
Insgesamt treten 14 Kandidaten an, nach aktuellen Umfragen gibt es drei klare Favoriten. Zu ihnen zählen der linke Senator Iván Cepeda aus dem Regierungslager, der den Reformkurs Petros fortsetzen will, sowie die konservative Senatorin Paloma Valencia aus dem Umfeld des früheren Präsidenten Álvaro Uribe, die einen harten Sicherheitskurs fordert.
Ebenfalls gute Chancen werden dem rechtsgerichteten Anwalt Abelardo de la Espriella eingeräumt, der unter anderem für einen schlankeren Staat und ein kompromissloses Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen wirbt.
«Eine der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre»
Der Wahlkampf wurde zuletzt zunehmend von der schwierigen Sicherheitslage überschattet. Kolumbien erlebe derzeit «eine der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre», sagte die Leiterin des Kolumbien-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Kristin Wesemann.
Im Vorfeld der Abstimmung kam es zu einer Reihe von Anschlägen, bei denen mehrere Zivilisten, Soldaten und Polizisten ums Leben kamen oder verletzt wurden. Politische Gewalt beschäftigt das Land aber bereits seit längerem: Im Juni vergangenen Jahres wurde etwa der konservative Senator Miguel Uribe Turbay bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Hauptstadt Bogotá angeschossen und erlag später seinen Verletzungen.
Nach Einschätzung der KAS-Expertin haben sich bewaffnete Gruppen in vielen Regionen weiter ausgebreitet. «67 Prozent aller Gemeinden [% part %][% part-1 %][% part %] sind den illegalen Netzwerken und Gruppen ausgesetzt», sagte Wesemann. Zugleich seien «die staatlichen Sicherheitsstrukturen extrem geschwächt».
Einem Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zufolge erlebte Kolumbien im Vorjahr die schwersten humanitären Folgen bewaffneter Konflikte seit einem Jahrzehnt. Mehr als 235.000 Menschen wurden demnach vertrieben.