Erstmals seit 16 Jahren reist ein Schweizer Schiedsrichter zur WM
Mit Sandro Schärer steht in den kommenden Wochen erstmals seit 16 Jahren wieder ein Schweizer Schiedsrichter an einer WM im Einsatz. Es ist für den 37-jährigen Schwyzer die Erfüllung eines Traums.
Sandro Schärer ist ein Schiedsrichter moderner Prägung: jung, eloquent, gewinnendes Auftreten. Kurz: ein hervorragender Kommunikator. Von Ungefähr kommen diese Qualitäten nicht. Sie entsprechen einem zentralen Element in der Jobbeschreibung, wie Schärer seine Aufgabe sieht. «Was richtig und falsch ist, wissen wir alle mehr oder weniger selber», erklärt der gelernte Lehrer aus Buttikon am oberen Zürichsee. «Entscheidend auf diesem Niveau sind Kommunikation, Management, Leadership, der Umgang mit Menschen. "Ich treffe wichtige Entscheide, aber für das Spiel bin ich null wichtig.»
Dazu gehört auch, dass die Unparteiischen ihre Arbeit erklären. Im Vorfeld der WM lud der Schweizerische Fussballverband an seinem Sitz in Muri bei Bern zu einer Medienrunde. Der Anlass ist ein erfreulicher: Erstmals seit Massimo Busacca 2010 wurde mit Schärer wieder ein Schweizer Schiedsrichter für eine WM-Endrunde aufgeboten. Dazu reisen auch der Aargauer Fedayi San als VAR und der Genfer Stéphane De Almeida als Schiedsrichter-Assistent nach Nordamerika.
Vorbereitungscamp in Miami
Um fit zu sein und auf dem Rasen gut mit den Spielern (und Coaches) kommunizieren zu können, ist die Vorbereitung essentiell. Bereits am Sonntag, knapp eine Woche vor Schärers 38. Geburtstag, reisen die Unparteiischen in die USA, Schärer und De Almeida ins Schiedsrichter-Camp nach Miami, San zur VAR-Instruktion nach Dallas. Schärer sammelte bereits vor zwei Jahren an der EM in Deutschland Erfahrung – und doch ist eine WM noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Nicht nur wegen der Länge und der Reisedistanzen, sondern auch wegen der unterschiedlichen Mentalitäten. Es kommen Schiedsrichter aus allen Kontinenten zusammen, nun geht es darum, eine einheitliche Linie zu finden.
Für Schärer, der einst beim FC Buttikon in der 3. Liga spielte, geht mit dem Aufgebot ein Traum in Erfüllung. Eine mit Ansage, denn in den letzten Jahren mauserte er sich zu einem der besten Schiedsrichter Europas. Erst vor einem Monat arbitrierte er beim begeisternden 5:4-Heimsieg von Paris Saint-Germain gegen Bayern München, notabene auch hier als erster Schweizer in einem Champions-League-Halbfinal seit Busacca vor sechzehn Jahren, und erhielt hervorragende Noten. Der oft kritisch eingestellte ehemalige Spitzen-Schiedsrichter und TV-Experte Urs Meier sprach von einer «Weltklasseleistung». Er habe in den letzten paar Monaten keine solche Leistung gesehen, schwärmte er bei «Blue». «Sandro hat es bei seiner Halbfinal-Feuertaufe exzellent gemacht. Einfach genial.»