Eine Feier für 50 Jahre Frauenstimmrecht in Graubünden
Ein Jahr, nachdem das Frauenstimmrecht in der Schweiz auf nationaler Ebene eingeführt worden war, war es auch in Graubünden soweit: Am 5. März 1972 sagten die Bündner Männer Ja zum Frauenstimmrecht auf kantonaler Ebene. Damit war Graubünden einer der letzten Kantone, der die Frauen auch aktiv am politischen Leben teilhaben liess. In der Westschweiz etwa konnten die Frauen schon seit 1959/1960 politisch mitbestimmen.
Feier in der Churer Rathaushalle
Die kantonale Stabsstelle für Chancengleichheit von Frau und Mann organisiert zu diesem Jubiläum am kommenden Samstag einen Anlass in der Churer Rathaushalle. Mit «Vuschs visiblas – Visibel Voices», einer Performance zu John Cages Stück FOUR6, lassen die Regisseurinnen Manuela Steiner und Marisa Waldburger vier Frauenstimmen erklingen. Ihre unterschiedlichen Blickwinkel und Gefühlswelten würden sich zu einem vielschichtigen Spiegel auf weiblichen Selbstausdruck vermischen, beschreiben die Verantwortlichen in einer Mitteilung die Inszenierung. Diese dauert eine halbe Stunde und wird dreimal aufgeführt: um 11 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr. Begleitet wird die Feier von einer mobilen Ausstellung zum Frauenstimm- und -wahlrecht in Graubünden. Kulturdirektor Jon Domenic Parolini wird das Jubiläumsjahr um 11.30 Uhr eröffnen. «Noch ist es nicht lange her, seit die Bündner Frauen mitbestimmen können. Doch für viele junge Frauen ist die politische Beteiligung heutzutage zum Glück eine Selbstverständlichkeit», lässt sich Parolini zitieren.
In den Gemeinden brauchte es noch mehr Zeit
Die Performance und die mobile Ausstellung werden auch an zwei weiteren Orten in Graubünden gezeigt: am 30. Juni in Pontresina und am 27. August in Davos. Die Bündner Gemeinden, so heisst es in der Mitteilung, seien zwar seit 1962 ermächtigt gewesen, die Frauen bei kommunalen Angelegenheiten mitbestimmen zu lassen. Doch erst 1968 machten fünf Gemeinden von diesem Recht Gebrauch: Chur, Landarenca, Marmorera, Pontresina und Sils i.D. Die Ausdehnung des Stimm- und -wahlrechts auf alle Gemeinden und den Kanton wurde im gleichen Jahr vom Stimmvolk abgelehnt. Als es dann 1972 für den Kanton beim zweiten Anlauf klappte, durften die Frauen dennoch in 153 von damals 219 Gemeinden noch nicht politisch mitbestimmen.