Drei Checkpoints für ein Training
Trotz Jetlag nimmt das Schweizer Nationalteam in San Diego den Schlussspurt auf den WM-Start in Angriff. Eine Reportage aus dem streng gesicherten Trainingscamp in der San Diego Jewish Academy.
Die Sonne versteckt sich noch hinter einem milchig-grauen Schleier an diesem Morgen des 3. Juni, dem ersten Tag der Schweizer WM-Delegation in San Diego. «June Gloom» (Juni-Schwermut) nennen die Einheimischen dieses Naturphänomen im Süden Kaliforniens, wenn der Nebel vom Pazifik ins Land zieht und ein paar Stunden braucht, um sich in der Wärme wieder aufzulösen.
Der Himmel mag noch grau sein, doch beim Eingang des riesigen Parkplatzes der San Diego Jewish Academy (SDJA) werden bereits alle Register gezogen, um grünes Licht für den Einlass zu erhalten. Identitätskontrolle, Leibesvisitation, Metalldetektoren – der Ton ist locker, fast schon freundschaftlich, aber die Anweisungen sind strikt. Willkommen in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Es ist die erste von drei Kontrollen, welche die Journalisten passieren müssen, um auf das Trainingsgeländer der renommierten Privatschule zu gelangen. Ein Neonazi-Attentat mit fünf Toten, unter ihnen die beiden Schützen, auf ein islamisches Zentrum in San Diego hat das eindrückliche Sicherheits-Dispositiv wohl noch einmal verstärkt.
Das Rauschen der Autobahn
Einmal drinnen, wird die Atmosphäre lockerer. Das Rasen-Rechteck befindet sich am Rand der SDJA, eingebettet zwischen zwei Baseball-Feldern und umringt von den Sträuchern des südkalifornischen Buschlandes. Ein paar hundert Kinder und Jugendliche der Akademie, die eine Ausbildung von der Krippe bis zum Hochschulabschluss anbietet, bevölkern die Tribüne. Ungeduldig warten sie darauf, ihre temporären Gäste am Werk zu sehen.
Die 25 Spieler treffen ein, die Zuschauer applaudieren. Man hat ihnen am Ende des Trainings Autogramme und Fotos versprochen. Die Temperatur ist angenehm, vom Pazifik her weht eine frische Brise. Der Rasen ist in gutem Zustand, trotz ein paar gelblich-brauner Flecken. Im Hintergrund rauscht unablässig der Verkehr auf der Interstate 5 vorbei. Die natürliche Geräuschkulisse dieses automobil-vernarrten Landes.