Die Tennisprofis wollen mehr Geld, aber vor allem mehr Mitsprache
Im Vorfeld des French Open macht sogar ein möglicher Boykott die Runde, am Ende wird daraus ein kleiner Protest. Doch die Tennisstars sind verärgert, weil sie sich nicht ernst genommen fühlen.
Es ist eine Diskussion, die sich ein wenig bizarr anfühlt. 2,8 Millionen Euro streichen die Siegerin und der Sieger des French Open ein, 87'000 Euro bekommen die Verlierer in der 1. Runde des Hauptfeldes. Es sind Zahlen, von denen der grösste Teil der Sportler weltweit nur träumen kann. Dennoch erheben die Spielerinnen und Spieler immer lauter ihre Stimme. Ihr Problem: Nur rund 15 Prozent des Gewinns, den das Turnier abwirft, fliesst via Preisgeld in die Taschen der Spielerinnen und Spieler.
Tennis boomt nämlich auch nach dem Rücktritt von Roger Federer und Rafael Nadal – zumindest auf der grössten Bühne der vier Grand-Slam-Turniere in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York. So ist das Preisgeld im Vergleich zum Vorjahr zwar um 9,5 Prozent erhöht worden, die Einnahmen stiegen aber beim French Open um 14 Prozent. Deshalb ist der Anteil des Preisgelds im Vergleich zu den Einnahmen sogar gesunken. Deshalb setzten viele Topspielerinnen und -spieler bei den so genannten Media Days ein Zeichen und limitierten ihre Präsenz auf 15 Minuten – entsprechend den erwähnten 15 Prozent.
Pensionsgelder, Mutterschaftsfonds, Mitsprache
Zu den Protestierenden gehört auch die Weltnummer 11 Belinda Bencic. Es ist der 29-jährigen Ostschweizerin wichtig zu betonen, dass es «um mehr als das Geld» gehe. «Wir fühlen uns einfach nicht gehört», klagt die Olympiasiegerin von 2021 und Wimbledon-Halbfinalistin im letzten Jahr. Der Hintergrund: Auf einen Brief, den die Spieler den vier Grand-Slam-Organisatoren vor einem Jahr geschrieben haben, gab es keine Antwort.
Bencic führt weiter aus, es gehe nicht einmal in erster Linie um das Preisgeld, das werde oft missverstanden. «Es geht um Beiträge an ein Wohlfahrtsprogramm, die Renten, einen Mutterschaftsfonds, an all die Sachen, die die ATP und WTA das ganze Jahr machen.» Deshalb sind es bei den grossen Turnieren unter der Ägide der Profitouren der Männer und Frauen jeweils rund 22 Prozent der Einnahmen, die den Spielerinnen und Spielern zugute kommen. Noch etwas anderes ist Bencic wichtig. «Wir wollen auch bei wichtigen Entscheiden, zum Beispiel, ob es einen Sonntagsstart oder Regeländerungen wie die Match-Tiebreaks auf zehn gibt, mitreden und angehört werden.» Sie würden alles nur über die Medien mitbekommen, ein Dialog existiere nicht.