Die Rechnung ist offenbar aufgegangen
Der Kanton Glarus hat im Vorfeld der Gemeindestrukturreform von «drei starken Gemeinden» geredet. Damit hat er auch den Anspruch verbunden, dass diese möglichst auf eigenen Füssen stehen und wenig (finanzielle) Hilfe brauchen. Die Finanzordnung zwischen Kanton und Gemeinden wurde erneuert, Aufgaben wurden entflochten, etwa bei der Volksschule, die voll Sache der Gemeinden wurde. Und die Steuergelder entsprechend umverteilt.
Es sind nun halt nicht alle gleich
Doch Glarus Süd, das vom Start 2011 an für ein paar Jahre die grösste Gemeinde der Schweiz war, hat am wenigsten Einwohner, am wenigsten Arbeitsplätze, die weitläufigste Infrastruktur und die meisten Naturgefahren zu bewältigen. Noch bekommt es daher Überbrückungs-Finanzhilfe vom Kanton. Doch der Gemeinderat von Glarus Süd erwartet, auch nachher nicht ohne Geld aus dem Finanzausgleich bestehen zu können.
Am anderen Ende des Kantons wird Glarus Nord Opfer seines Erfolgs. Hier findet im Sog des Grossraums Zürich viel stärker als in Glarus und im Süden eine grosse Wohnbautätigkeit statt. Das Resultat: Es ziehen Familien mit Kindern zu, die Gemeinde braucht zusätzlichen Schulraum und muss weitere Infrastrukturen ausbauen. Wachstum bringt zwar Steuerzahler, aber im Moment keine grossen. So kostet das Wachstum erst einmal auch die Gemeinde Geld.
Mit diesen unterschiedlichen Entwicklungen bleibt auch die wiederkehrende Diskussion um den Finanzausgleich erhalten.
Die Steuern sind gesenkt worden
Die Gemeindestrukturreform mache das Gemeinwesen billiger, damit wurde damals geworben. Ob dem so ist oder gar im Gegenteil, darüber wird gestritten, seit es Gemeindefusionen gibt. Und eine einfache Antwort auf die Frage gibt es nicht, denn der Vergleich vorher – nachher auf Gemeindeebene ist nicht möglich. Zu viel hat sich geändert, Aufgaben – und entsprechende Gelder respektive Anteile an den Steuern – wurden mit der Reform zwischen Gemeinden und Kanton verschoben. Neben der Volksschule mussten die Gemeinden etwa die Finanzierung der Langzeitpflege übernehmen.