Die Elftal strebt nach dem ersten Stern
Die Niederlande gehört an grossen Turnieren traditionell zum Favoritenkreis. Einen WM-Titel hat sie trotz drei Finalteilnahmen jedoch noch nie gewonnen. In Übersee soll es nun endlich klappen.
Die 62. Spielminute im WM-Final 2010 von Johannesburg ist angebrochen. Arjen Robben läuft alleine auf Iker Casillas zu. Der spanische Goalie bleibt lange stehen, macht dann jedoch die vermeintlich entscheidende Bewegung in die falsche Richtung. Der Weg zum Führungstreffer für Oranje ist frei. Doch statt den Ball über den bereits geschlagenen Casillas hinweg ins Tor zu lupfen, schiesst Robben dem Keeper den Ball an den rechten Fuss. Weg ist die goldene Chance auf den goldenen WM-Pokal, den sich die Spanier dank eines Treffers von Andres Iniesta kurz vor dem Ende der Verlängerung holen.
Die Szene steht sinnbildlich für das niederländische Abschneiden an Weltmeisterschaften. Dreimal stand die Elftal in einem Final. Den Jules-Rimet-Pokal hat sie nie gewonnen. 1974 und 1978 zog man gegen Deutschland respektive Argentinien den Kürzeren. Dass Oranje nicht mehr als einen EM-Titel (1988) vorweisen kann, ist in Anbetracht von Spielern wie Johan Cruyff, Marco van Basten, Dennis Bergkamp oder Clarence Seedorf schon erstaunlich, zumal es gleich mehrere Goldene Generationen gab.
Van der Vaart pessimistisch
Die jetzige Elftal als Goldene Generation zu betiteln, wäre zu hoch gegriffen. Wenn es nach Rafael van der Vaart geht, ist sie sogar meilenweit davon entfernt. «Bis auf Virgil van Dijk hätte bei uns keiner eine Rolle gespielt», so der Mittelfeldspieler, der 2010 das entscheidende Gegentor gegen Iniesta nicht verhindern konnte. Van Dijk wird die Mannschaft mit seinen bald 35 Jahren gemeinsam mit Mittelfeldstratege Frenkie de Jong führen.
Die Mischung aus erfahrenen Spielern und aufstrebenden Talenten stimmt. Das Tor dürfte Bart Verbruggen hüten. Der 23-Jährige entwickelte sich seit seinem Wechsel vor drei Jahren von Anderlecht zu Brighton zu einem der besten Goalies der Premier League. Ronald Koeman hat auf praktisch jeder Position die Qual der Wahl – trotz Ausfällen wie jenen von Matthijs de Ligt und Xavi Simons. Aus freien Stücken und überraschend verzichtete der Bondscoach auf Aussenverteidiger Jeremie Frimpong vom FC Liverpool.