Davoser Naturheilmittel-Pionier gibt die Zügel weiter: Roland Ziers Rückblick
von Andri Dürst
Mit einem freundlichen Lachen und einem kräftigen Händedruck begrüsst Roland Zier einen zum Gespräch. Dass er bereits 63 Jahre alt ist, sieht man dem gross gewachsenen Mann nicht an. Auch wenn er offiziell noch nicht im Pensionsalter ist, darf er nun eine ruhigere Kugel schieben. Denn nach 34 Jahren als selbstständiger Drogist hat er sein Geschäft in Davos Dorf in jüngere Hände übergeben können. Auf eine solch lange Zeit lohnt es sich zurückzublicken.
Fasziniert von der Naturheilkunde
Geboren und aufgewachsen ist Roland Zier in Chur, wo er in der Drogerie Truog am Martinsplatz seine Lehre absolvierte – ein «guter Ort», wie er betont. Doch wieso zog es ihn ausgerechnet in diese Branche? «Drogerie hat viel mit Naturheilmitteln zu tun, und das interessierte mich schon immer sehr. Einen Einfluss hatte sicherlich auch meine Mutter – sie war eine regelrechte Kräuterfrau.»
Nach der Lehre entstand der Wunsch, sich weiterzubilden. Und so besuchte er in Neuenburg die einzige Höhere Fachschule für Drogistinnen und Drogisten in der Schweiz. Dort absolvierte er die Meisterprüfung. «Einerseits vertieft man in Neuenburg das, was man in der Lehre gelernt hat, andererseits kommt viel Wissen in Sachen Fabrikation und im kaufmännischen Bereich hinzu.» Auch über die Zusammenhänge von Krankheiten habe er dort viel gelernt. «Das machte mich ‹giggerig›, dieses Wissen anzuwenden.»
Schritt in die Selbstständigkeit
Doch ein eigenes Geschäft musste noch warten. Zuerst absolvierte er verschiedene Stellvertretungen in der ganzen Schweiz. «Auch im Unterland. Aber ich merkte, dass es dort als Bündner nicht einfach ist», meint er und schmunzelt. Die fehlenden Berge und der viele Nebel seien nämlich nichts für ihn. So ging es zurück in die Alpen, genauer gesagt nach Klosters, wo er eine Stelle in der Dropa Drogerie antrat. Doch der Wunsch nach einem eigenen Geschäft bestand noch immer. «Wenig später kontaktierte mich ein Bekannter und machte mich darauf aufmerksam, dass es in Davos eine Drogerie zu übernehmen gibt.» Am 1. Oktober 1990 war es dann so weit, und Roland Zier startete seinen eigenen kleinen Betrieb im Haus Borgonovo. «Anfangs hatte ich nur eine Aushilfe angestellt», fügt er hinzu. 1992 erfolgte der nächste grosse Schritt: Als weiter vorne im Dorf, an der Promenade 144, eine Metzgerei ihre Türen schloss, packte Roland Zier die Chance und übernahm die Räumlichkeiten. So erhielt er grosszügige Flächen für die Produktion. Das Speziellste aber sollte der Kundenbereich werden. «Wir haben hier viele Feriengäste, die zu uns in die Berge kommen. Daher hatte ich die Idee, eine Drogerie im Stil eines Bündner Stüblis zu gestalten. Ich beauftragte einen Schreiner damit, und so entstand die heutige Einrichtung, die übrigens ausschliesslich aus Arvenholz besteht.»