Bilanz nach vier Jahren: So hat sich der Krieg verändert

Es ist nun vier Jahre her, seit Russland einen umfassenden Krieg gegen die Ukraine und den Westen begonnen hat. Was haben wir in dieser Zeit gelernt?
Erstens: Die Geschichte mit ihren Kämpfen ist, anders als es Fukuyama Anfang der 1990er-Jahre behauptete, nicht vorbei. Ein grosser Krieg ist in Europa im 21. Jahrhundert möglich.
Zweitens: Es ist möglich, einen umfassenden Krieg unter Beteiligung einer Atommacht ohne den Einsatz von Atomwaffen zu führen. Konventionelle Streitkräfte bleiben für die Sicherheit von zentraler Bedeutung.
Drittens: Menschen können sich
an Krieg gewöhnen und ihn als Teil ihres Alltags akzeptieren.
Der Krieg als neue Normalität ist eine grundlegende «Errungenschaft» der imperialistischen Propaganda Russlands. Moskau hat den Krieg durch das Konzept der hybriden Kriegsführung normalisiert. Dieses Konzept sieht aus wie ein nicht realer Krieg oder ein Unterkriegszustand. Es dient als bequemer Einstieg in einen «echten» kinetischen Krieg.
Es wurde zur Normalität, dass imperialistische Aggressoren im 21. Jahrhundert Völkermord praktizieren. Die Russen gaben vor, die ukrainische und die krimtatarische Sprache in der ersten Phase ihrer Invasion seit 2014 zu respektieren. Jetzt verbrennen sie ukrainische Bücher und schicken Kinder zur «Umerziehung» in spezielle Lager. Kinder in ganz Russland werden mit massiver militaristischer Propaganda einer Gehirnwäsche unterzogen.
Die Entführung ukrainischer Zivilisten hat ein beispielloses Ausmass erreicht. Sie können nur schwer aus russischer Gefangenschaft befreit werden, da ihnen der Status als Kriegsgefangene verweigert wird. Tausende Kinder werden nach Russland verschleppt und dort ihrer Identität beraubt.
Das Foltern und Aushungern von Kriegsgefangenen erinnert an Szenen aus den Kriegsverbrechen der Nazis im Zweiten Weltkrieg. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen Russland Leichen ukrainischer Militärs und ziviler Gefangener ohne innere Organe und Gehirn zurückgegeben hat.
Ukrainischen Gefangenen werden die grundlegendsten Rechte vorenthalten, die früher international anerkannt waren. Dem Roten Kreuz wird der Zugang zu ukrainischen Kriegsgefangenen einfach verweigert. Unterdessen behandelt die Ukraine russische Kriegsgefangene, von denen viele Putin loben, nach den Genfer Konventionen.
Das ukrainische Rechtssystem hat bis August 2025 fast 400 Vergewaltigungsfälle durch russische Soldaten registriert, darunter 136 Männer und 20 Kinder als Opfer. Viele weitere Fälle sind nicht registriert.