Barbarez steht am Ursprung des bosnischen Märchens
Ohne je ein Profiteam trainiert zu haben, wird Sergej Barbarez 2024 zum bosnischen Nationaltrainer ernannt. Er krempelt beinahe alles um und hat damit früher Erfolg, als er selbst erwartet.
Im November 2024 häufen sich die kritischen Stimmen in Bosnien. Das Team ist gerade sang- und klanglos aus der höchsten Liga der Nations League abgestiegen – unter anderem nach einer 0:7-Packung gegen Deutschland. Acht Partien hat die Mannschaft seit der Ernennung von Barbarez im Frühjahr bestritten. Die Bilanz: sechs Niederlagen, zwei Unentschieden.
Ausgerechnet er, der in den Jahren zuvor regelmässig als Experte in den Medien auftritt und Entwicklungen im Nationalteam offen kritisiert, steht nun selbst im Zentrum des öffentlichen Gegenwinds. Seine Kritiker sehen sich bestätigt: Die Ernennung eines Nationaltrainers ohne jede Erfahrung im Profibereich sei eben doch ein enormes Risiko gewesen.
Autorität als Erfolgsmodell
Auf seine fehlende Erfahrung wird Barbarez bereits bei seiner Vorstellung im April 2024 angesprochen. Der damals 52-Jährige hält dagegen: «Ich denke, dass ich meine fehlende Erfahrung durch Autorität ausgleichen kann. Ich war nicht nur auf dem Spielfeld Captain, sondern auch im privaten Leben.»
Seine Härte, für die er bereits als Spieler bekannt ist, hat auch mit seiner Geschichte zu tun. 1991 kommt er nach Deutschland, um dem Krieg in seiner Heimat zu entfliehen. Nach einem Probetraining erhält er zunächst einen Vertrag bei Hannover 96. Danach muss er sich zeitweise in der damals dritthöchsten Liga durchbeissen, bevor ihm der Durchbruch in der Bundesliga gelingt. Kultstatus erreicht er während seiner sechs Jahre beim Hamburger SV.
Als Captain wird er auch zu einem der ersten Aushängeschilder des nach dem Krieg neugegründeten Nationalteams von Bosnien und Herzegowina, das erst ab 1996 an Qualifikationen teilnehmen darf. Barbarez geniesst grosse Popularität und erhält in seiner Heimat zahlreiche Auszeichnungen und Publikumspreise.