Nicht nur für den Traum vom Weltmeistertitel
Nochmals das Bestmögliche herausholen. Das hat sich Tim Braillard vorgenommen. Im Hinblick auf die Unihockey-WM, die Anfang November in Zürich und Winterthur über die Bühne gehen wird. Ein Karrierehighlight soll es werden. Der Traum vom Weltmeistertitel – er lebt. Der 29-jährige Unihockeyspieler von Alligator Malans ordnet diesem Vorhaben mit der Schweizer Nationalmannschaft und ein paar letzten erfolgreichen Jahren auf Vereinsstufe alles unter. Dafür hat der Spitzensportler eine Ausbildungsstelle bei der Graubündner Kantonalbank (GKB) aufgegeben. Dieser Umstand beschreibt das Dilemma, in dem ein Unihockeyspieler wie er steckt.
Braillard trainiert wie ein Profisportler. Acht bis neun Einheiten pro Woche sind für ihn Normalität. «Früher reichten vier Trainings pro Woche, doch der Aufwand ist von Jahr zu Jahr grösser geworden. Vor allem, weil die Schweden und die Finnen immer mehr Vollzeitprofis haben», sagt er. Braillard ernährt sich wie ein Profisportler. Braillard ruht sich aus wie ein Profisportler. «Regeneratives wie Stretching, Massage und genügend Schlaf ist nicht zu unterschätzen», betont er. Braillard verzichtet auf viel Selbstverständliches – genau so wie ein Profisportler. Aber Braillard verdient nicht wie ein Profisportler. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit einem «normalen» Job.
Als er nach zwei Jahren in Schweden auf die Spielzeit 2020/21 in die Bündner Heimat zurückkehrte, ergab sich eine Anstellung bei der GKB. Ein halbes Jahr vor Abschluss dieser Ausbildungsstelle musste er Ende des vergangenen Jahres schweren Herzens einen Schlussstrich ziehen. «Es war kein Entscheid gegen die GKB. Aber ich merkte, wenn ich an der Heim-WM mein bestes Unihockey spielen möchte, musste ich etwas verändern. Da war für mich die Spitzensportlösung vom Militär und das Teilzeit-Jobangebot von Alligator Malans gerade passend.» Hinzu kam, dass er neben Torhüter Pascal Meier und Verteidiger Luca Graf als Werbegesicht der bevorstehenden WM in der Schweiz vorgeschlagen war und dieses Privileg wahrnehmen wollte.