Das Restaurant «Frohberg» über dem Zürichsee liefert etwas für den Preis

Die Voraussetzungen sind nahezu perfekt: Wir sind in einem Restaurant, in dem wir schon öfter gut gegessen haben. Wir haben den besten Tisch bekommen: zuvorderst auf dem Spickel der Terrasse. Meine Begleiterin blickt auf das Rapperswiler Schloss, den Obersee und die Wägitaler und Glarner Alpen. Und ich sehe den Unteren Zürichsee, den Albis und den Pfannenstiel in der Abendsonne. Einzig die Gewissheit, dass wir heute wohl den allerletzten einer langen Reihe von warmen Sommerabenden erleben werden, trübt unsere Laune. Eine Kaltfront ist angesagt, und über dem Stöcklichrüz und dem Gottschalkenberg türmen sich bereits die Gewitterwolken.
Zu unserem Glück ist das Servicepersonal auf dem «Frohberg» bestens gelaunt. Eine Kellnerin serviert uns kurz nach dem Eintreffen bereits einen Räuschling von den Bachmanns aus Stäfa (9 Franken pro Glas) und einen Liter Wasser (11 Franken). Meine Begleiterin empfiehlt mir zur Vorspeise den feinen «Sommerlichen Organic Blattsalat». Er enthält neben Frisée und Kopfsalat Wassermelone, geröstete Cashewkerne, Granatapfel und Sprossen. Sie selbst bekommt Shrimps Tempura. Weil sie so wunderbar knusprig sind, bin ich froh, dass wir in der Hälfte die Teller tauschen. Die hausgemachte Spicy Mayo schmeckt uns ebenso gut, und wir putzen das Schälchen mit zwei Scheiben Ruchbrot aus.
«Kalbsgeschnetzeltes mit Waldpilzen und Rösti» (48.50) nennt sich das Gericht im «Frohberg», das – abgesehen von den verschiedenen Pilzsorten – eigentlich ein Zürcher Geschnetzeltes ist. Wahrscheinlich heisst es nicht so, weil man an diesem Aussichtspunkt ausgesprochen schlechte Erfahrungen mit Zürchern gemacht hat. Hier oben schlug General Hans Rudolf Werdmüller 1656 sein Lager auf. Von hier aus beobachtete er, wie seine 7000 Soldaten zwischen Busskirch und Kempraten einen Belagerungsring errichteten. Sie brandschatzten, raubten und mordeten. Dank solider Stadtmauern, Ausdauer und Verstärkung aus dem Kanton Schwyz überstanden die Rapperswiler die 34-tägige Belagerung.