«Wir sind digital persönlich»
Seit den beschlossenen Lockerungen des Bundesrats kehrt in vielen Bereichen der normale Alltag ein, die Restaurants begrüssen wieder hungrige Gäste und die Lehrpersonen unterrichten ihre Klassen nicht mehr von Bildschirm zu Bildschirm. Auch an der Fachhochschule Graubünden (FHGR) sind die Lockerungen bemerkbar. Dennoch verlieren die vergangenen Wochen nicht an Bedeutung. Jürg Kessler, Rektor FHGR, betont: «Ich habe während der letzten Wochen eine sehr aktive Hochschulgemeinschaft erlebt.» Zwischen den Studierenden, Dozierenden und anderen Mitarbeitenden habe es eine rege Zusammenarbeit gegeben. Die sachliche und persönliche Kommunikation sei darum während der ganzen Krise das A und O gewesen. «Wir sind digital persönlich», so Kessler.
Vom Schulzimmer in die eigenen vier Wände
Aber kehren wir an den Anfang zurück. Der 16. März, ein für die FHGR und andere Schweizer Hochschulen bedeutungsvoller Tag. Denn ab diesem Montag wurde der Präsenzunterricht aufgrund des Coronavirus und der ausserordentlichen Lage schweizweit untersagt. Kessler erinnert sich zurück: «Einen Tag bevor der Bundesrat die Schliessung mitgeteilt hat, besprach ich persönlich die Phasen der Einführung der ‹virtuellen FHGR› als Eventualplanung mit allen Studienleitungen und gab den Auftrag, bereit für eine mögliche virtuelle FHGR zu sein.»
Damit, dass die Schliessung bereits am nächsten Tag beschlossen wurde, habe Kessler aber doch nicht gerechnet. Trotzdem bereitete der Übergang zum Distance-Learning kaum Probleme. «Wir haben schon früh ein Konzept in Zusammenarbeit mit dem Krisenstab ausgearbeitet», erklärt Kessler und fügt hinzu: «Wir haben uns also direkt von einer Präsenzhochschule zu einer Fernhochschule entwickelt.»
Rund sechs Wochen wurde die virtuelle FHGR weiterentwickelt. Während dieser Zeit wurden einige Anpassungen vorgenommen. Wie Kessler erklärt, mussten die Dozierenden bei den Vorlesungen umdenken und mit Plattformen und Videokonferenzen arbeiten. Lernmaterial wie Bilder, Links oder Videos erhielten die Studierenden für das selbstständige Erarbeiten virtuell. Anschliessend wurde das erarbeitete Wissen in Videokonferenzen besprochen und über die Inhaltediskutiert. Ebenfalls konnten sich die Studierenden in den eigenen vier Wänden praktisch weiterbilden. In gewissen Studiengängen wurden dafür per Post Pakete mit verschiedenen Bestandteilen verschickt. So wurde manches zu Hause in ein Labor umgewandelt.