Wie die Sonne am Glarner Himmel ihre Bahnen zieht
Natürlich besitzt Katia Weibel aus Näfels auch moderne Digitalkameras. Und sie teilt in ihrem Blog Bilder mit der Internetgemeinschaft. Darunter ein faszinierendes Bild mit dem Titel: «Die Sonnenbahnen sichtbar machen: Solargrafie.» Doch dieses Bild stammt nicht aus einer Digitalkamera. Es stammt aus einer Kamera, wie sie einfacher nicht sein könnte.
Belichtungszeit: ein halbes Jahr
Weibel hat das Bild am kürzesten Tag gepostet. Und sie schreibt dazu im Blog: «Wenn man ein Fotopapier in eine Lochkamera packt und es ganz lang, Wochen oder gar Monate, drin lässt und die Lochkamera schön stabil in Richtung Sonne installiert, erscheint mit der Zeit ein Negativbild auf dem Papier, ganz ohne Entwickeln.»
Das Bild entsteht im Lauf der langen Belichtungszeit allein durch die Lichtempfindlichkeit von Silbersalzkristallen im Fotopapier: «Darauf zeichnen sich die sich im Verlauf der Jahreszeiten verändernden Sonnenbahnen ab. Das nennt man Solargrafie.»
Der Schritt, der dann noch bleibt: Weibel muss das Negativbild – auf dem das in Echt Helle dunkel ist und das Dunkle hell – in ein Positivbild verwandeln. Das tut sie, indem sie das schwarz-weisse Negativ scannt und mit dem Computer ins Positive umkehrt, wie sie erklärt. Und dann auch noch spiegelt, damit der Fronalpstock wieder links und der Rauti rechts im Bild ist. Dass das digital umgewandelte Positiv einen blauen Grundton bekommt, ist zwar himmlisch witzig, es sei aber nur einer Eigenheit des Fotopapiers zu verdanken.
Präzision und Panzerklebband
Die Kamera ist dabei kein besonders technisches Produkt, sondern als Lochkamera simpel. Weibel schreibt im Blog: «An unserm gegen Süden gerichteten Haus haben wir eine Bierdose befestigt, mit einem Loch in der Hülle und einem Fotopapier im Innern, und das Papier von Sommer- bis Wintersonnwende belichtet, also ein halbes Jahr.»
Katia Weibel betont, dass die Aufnahmen als Gemeinschaftswerk mit ihrem Mann Daniel Fischli entstanden seien: «Er hat die Büchse minutiös präpariert.» Das heisst: Für das Loch ein dünnes Blech eingelassen, darin mit Masslupe und Stecknadel ein feines Loch gestochen und dieses exakt rund und brauenfrei geschmirgelt. Damit das Bild dann auch scharf wird. Dann haben die beiden die Bierdosenkamera an einem am Haus verschraubten Blumenkistenhaken mit viel Panzerklebband befestigt.