Wenn das Zwitschern verstummt
Der kleine braune Vogel namens Braunkehlchen erhielt vergangene Woche in der SRF Sendung Schweiz Aktuell einen Sendeplatz. Der Grund: Die Population ist in den vergangenen Jahren um 70 Prozent zurückgegangen. Einzig im Kanton Graubünden gibt es noch einige wenige Exemplare, die mit viel Mühe, Not und Aufwand erhalten werden können. Der Vogel zählt zu den Bodenbrütern und fällt immer wieder Mähmaschinen zum Opfer. Freiwillige versuchen die Nester in den Wiesen zu markieren, um die Überlebenswahrscheinlichkeit zu steigern. Das Braunkehlchen ist jedoch nur eines von vielen Beispielen, welches vom Aussterben bedroht ist und unter der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung leidet. Dazu gehören Pflanzenarten, Schmetterlinge, Insekten, Bienen und weitere Vögel.
Doch wir beginnen mit einer aufmunternden Nachricht: Die Situation im Kanton Graubünden ist grundsätzlich gut, wie Flurin Filli, Wildbiologe und Leiter Betrieb und Monitoring beim Schweizerischen Nationalpark in Zernez auf Anfrage von «suedostschweiz.ch» sagt. Dies, weil der Kanton klimatisch gesehen relativ warm ist und es wenig Niederschlag gibt. Weiter sei auch die Landnutzung aufgrund der Topografie nicht so intensiv, wie sie beispielsweise im Unterland ist. «Deshalb haben wir hier viele schöne Landschaften und auch noch viele Tierarten, die in anderen Gebieten schon sehr bedroht sind», so Filli. Dies seien alle Arten der Kulturlandschaft wie eben beispielsweise das oben genannte Braunkehlchen, aber auch die Feldlerche, der Baumschläfer oder die Wasser- und Watvögel.
Achtung Wortwahl
Gemäss Filli sei es jedoch auch immer eine Frage, was man unter «bedroht» verstehe. Man müsse nämlich unterscheiden zwischen Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind und Tierarten, bei denen die Bestände rückläufig sind. Die Bestände von gewissen Tierarten seien nämlich auch im Kanton Graubünden rückläufig. «Es hat aber noch genügend Tiere, dass es sich auch lohnt, Rettungsmassnahmen und Erhaltungsmassnahmen in die Wege zu leiten», so Filli.