Wie wir unsere Stimme fit behalten
von Ricarda Dieckmann
In vielen Berufen ist man darauf angewiesen, dass die Stimme funktioniert. Dazu zählt der Callcenter-Mitarbeiter, aber auch die Lehrerin, der Erzieher, die Juristin oder der Pfarrer. «In der Reihenfolge sind diese und andere Berufsgruppen besonders durch eine Stimmstörung bedroht», sagt Sprechwissenschaftlerin Prof. Ulla Beushausen. Ihnen allen kann passieren, dass ihr Stimmklang dauerhaft beeinträchtigt und ihre Stimme weniger belastbar wird. Und dass sie deswegen ihren Beruf vielleicht nicht mehr voll ausüben können. «Ihre Stimme pflegen sollten also all diejenigen, die viel sprechen müssen und auf ihre Stimme angewiesen sind», sagt Ulla Beushausen.
Aber wie macht man das? «Am besten schon von Kindheit an, denn unser gesamter Organismus ist auf Dauerleistung ausgelegt», sagt Prof. Bernhard Richter vom Freiburger Institut für Musikermedizin. Heisst: Wir sollten unserer Stimme regelmässig benutzen. «Tun wir das von Kindesbeinen an, ist unsere Stimme wunderbar geölt und gepflegt», sagt er. Richter schliesst dabei explizit das Singen mit ein. «Das Beste, was Sie tun können, ist mit ihren Kindern von Beginn an Wiegen- und Kinderlieder zu singen», sagt Richter, der auch Autor ist. In einer Studie hat er zusammen mit Kollegen die Probanden danach gefragt, ob sie im Chor singen. «Die kleine Gruppe, die das tatsächlich gemacht hat, hatte die signifikant besser ausgebildete Stimme.» Singen hat damit protektive Effekte, stärkt und schützt die Stimme also.
Viel trinken ist für ein gesundes Stimmorgan unerlässlich
Damit die Stimme allerdings gut funktionieren kann, braucht sie genug Feuchtigkeit. Häufig werden Hausmittel empfohlen wie Lutschtabletten oder Gurgelmittel, um die Befeuchtung zu verbessern. Damit könne man seine Stimme jedoch nur bedingt pflegen, sagt Richter. «Das Wichtigste ist definitiv die Flüssigkeitszufuhr, da diese Mittel nur dann wirken können, wenn man ausreichend getrunken hat.» Zuckerfreie Bonbons zu lutschen, kann aber durchaus helfen. «Der Schluckvorgang beim Lutschen entspannt die äussere Kehlkopfmuskulatur», sagt Ulla Beushausen. Der Kehlkopf ist die Verbindung zwischen Rachen und Luftröhre und für unsere Stimme zentral. Denn in ihm liegen die Stimmlippen. Mithilfe der Stimmbänder und der Kehlkopfmuskeln lassen sie sich zum Beispiel öffnen oder anspannen. Dadurch entstehen Töne, die wir durch die Bewegungen von Zunge und Lippen zu Worten formen können.