Streit um einen Zaun vom Zaun gebrochen
In Samedan gibt es einen Flugplatz. Gerne nennt man ihn auch Engadin Airport. Der Engadin Airport wird relativ rege genutzt. Die Bevölkerung hat sich an den täglichen Fluglärm gewöhnt, man akzeptiert, dass der Flugplatz ein essentieller Bestandteil der Infrastruktur ist. Doch – an einem Flugplatz lauern auch Gefahren. Um einen sicheren Flugverkehr zu gewährleisten muss ein Zaun her, sagen die Betreiber des Flugplatzes. Und zwar nicht etwa ein kommuner Stacheldrahtzaun, ein richtiger Zaun soll es sein. Denn seit dem Jahr 2014 hat man beim Flugplatz 64 sicherheitsrelevante Vorfälle registriert, in 28 Vorfällen war ein Tier involviert. Damit soll jetzt Schluss sein.
Nicht aber, wenn es nach der Stiftung Terrafina Oberengadin geht. Sie vermutet nämlich, dass dieser Zaun nicht primär für mehr Sicherheit, sondern vor allem für mehr Flugverkehr sorgen wird. Deshalb hat die Stiftung, gemeinsam mit dem Forum Engadin, der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Pro Natura und dem WWF eine Petition gegen ebendiesen Zaun lanciert. In der dazugehörigen Mitteilung beurteilt sie auch den Vorstoss von Grossrat Gian Peter Niggli, den Engadin Airport an das WEF anzubinden, als sehr kritisch. Eine Antwort der Regierung auf diesen Vorstoss ist in der Juni-Session des Grossen Rates zu erwarten.
Die Betreiber des Regionalflughafens weisen die Vermutung, mit dem Zaunbau schliesslich den Flugverkehr erhöhen zu wollen, klar von sich. Den Grossrats-Auftrag des Engadiners Niggli befürworten sie hingegen. So schreiben sie «Wir hätten für ca. 20 Businessjets Platz, somit wäre mit 40 zusätzlichen Flugbewegungen zu rechnen».
Schulterzuckende Standortgemeinde
In der Mitte dieses vom Zaun gebrochenen Streits steht die Gemeinde Samedan. So sagt diese, man habe die Standortgemeinde Samedan um offizielle Unterstützung der Petition gegen den Flughafenzaun ersucht. Weiter heisst es in der offiziellen Stellungnahme «Der Gemeindevorstand hat zwar seine Vorbehalte zur integralen Umzäunung des Flughafenareals deponiert, sich aber nicht wie von den Petitionären gefordert, kategorisch dagegen ausgesprochen, sondern auch sein Verständnis für die sicherheitstechnischen Ansprüche der Flughafenbetreiberin und dem Wunsch nach grösstmöglicher Sicherheit geäussert. Insofern hat der Gemeindevorstand entschieden, nicht als Petitionär aufzutreten.» Während sich die Gemeinde weigert, klar für oder gegen den gewünschten Zaun Stellung zu beziehen, weil sie gemäss eigener Aussage «bei der öffentlichen Meinungsbildung Zurückhaltung üben und nicht in unzulässiger Weise Einfluss darauf nehmen darf», bleibt vorerst unklar, wie es denn nun mit diesem Zaun weitergeht.