Sind Gebirgspflanzen zu wenig flexibel?
Der Klimawandel betrifft auch Pflanzen: Wenn es etwa wärmer oder im Sommer feuchter wird, können sie möglicherweise schneller wachsen und sich erfolgreicher fortpflanzen. Was auf den ersten Blick positiv scheint, ist in der Realität kompliziert und alles andere als eindeutig. Denn nicht alle Pflanzenarten sind gleich gut darin, solche Veränderungen ihrer Lebensbedingungen auszu-nutzen. Fachleute befürchten, dass vor allem Generalisten und Allerweltsarten profitieren und so seltene Arten und Spezialisten für harte Lebensräume verdrängen (siehe auch «Pflanzen erobern Europas Gipfel immer schneller»).
Pflanzenökologe Christian Rixen vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF hat dazu zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus China, Australien und Neuseeland eine Studie durchgeführt und jetzt im «Journal of Ecology» veröffentlicht. Sie haben sogenannte «Traits» von 66 Pflanzenarten unter die Lupe genommen. «Traits» sind Merkmale, die zwischen Individuen derselben Pflanzenart variieren können, zum Beispiel die Höhe der Pflanze. Zudem haben diese Merkmale wichtige Funktionen in der Natur. So profitieren höher gewachsene Exemplare von mehr Sonnenlicht und produzieren mehr Biomasse.
Die Forschenden vermuten, dass Pflanzenarten, bei denen solche Merkmale eine grosse Variabilität aufweisen, grundsätzlich besser in der Lage sind, auf Umweltveränderungen zu reagieren. Denn egal, wie die Veränderung ausfällt: Einige Exemplare dieser Arten sind bereits daran angepasst.
Rixen und seine Kolleginnen und Kollegen haben bei jeder Pflanzenart sieben ausgewählte «Traits» (nebst der Höhe zum Beispiel auch die Blattfläche oder ob die Pflanze Blüten trägt) sowie die Verbreitung der Art entlang von Höhengradienten untersucht – an Bergen in China, Australien, Neuseeland und der Schweiz. Die Analysen zeigen für alle untersuchten Regionen ein einheitliches Bild: