Sandra Locher Benguerel: «Retuschierte Bilder gehören gekennzeichnet»
von Mara Schlumpf und Jessica Müller
Sie sind für mehr Realität in der Social-Media-Welt und haben deswegen einen Vorstoss lanciert, welcher fordert, dass retuschierte Bilder als solche gekennzeichnet werden. Was hat Sie dazu bewogen?
Sandra Locher Benguerel: Ich arbeite als Lehrerin regelmässig mit Kindern und Jugendlichen. Beruflich aber auch privat erlebe ich immer wieder, dass Werbebilder und auch Bilder in den sozialen Medien einen sehr grossen Einfluss auf Kinder und Jugendliche haben. Und wenn man bedenkt, wie oft und wie lange die Kinder diesen Bildern ausgesetzt sind, dann ist es wahrscheinlich, dass diese idealisierten Körperbilder Selbstzweifel bei den jungen Menschen auslösen.
Sie sind Primarlehrerin und haben tagtäglich mit jungen Menschen zu tun. Wie äussert sich der negative Einfluss dieser Bilder auf Kinder und Jugendliche?
Ich sehe auch privat – und übrigens nicht nur bei Jugendlichen, sondern durchaus auch bei Erwachsenen – dass idealisierte Körperbilder einen Druck ausüben hinsichtlich der Vorstellung, wie eine Figur oder ein Gesicht auszusehen haben. Dies führt schlicht zu einem falschen Abbild der Realität. Mit der Idee, dass bearbeitete Bilder gekennzeichnet werden müssen, könnten wir Fake-Bilder verhindern und für mehr Wirklichkeit in der Werbewelt sorgen.
Haben Sie bereits Erfahrungen gemacht, dass Menschen in Ihrem Umfeld deswegen psychische Probleme entwickelt haben wie Depressionen oder Essstörungen? Waren Schönheitsoperationen in Ihrem Umfeld ein Thema?
Als Pädagogin und Bildungspolitikerin kenne ich verschiedene Studien, welche zeigen, dass ein ungesundes Körperempfinden zu psychischen Problemen führen kann, besonders bei jungen Frauen. Natürlich auch zu Essstörungen. Das wurde in der Vergangenheit bereits mehrmals bewiesen.