Engpass bei Tiermedikamenten
Johanna Ambühl, Co-Präsidentin der Gesellschaft Bündner Tierärzte (GBT), sagte gegenüber Radio Südostschweiz, dass die Lieferengpässe in der Tiermedizin hauptsächlich die Verfügbarkeit von Impfstoffen, Hormonpräparaten, Salben und Antibiotika betreffe. Das Problem besteht darin, dass die Medikamente oft erst mit erheblichen Verzögerungen von mehreren Wochen oder sogar Monaten geliefert werden. Es komme auch vor, dass die bestellte Menge nicht vollständig geliefert werde.
Es gibt verschiedene mögliche Faktoren für diese Engpässe. Zum einen könnte sein, dass bestimmte Rohstoffe nicht geliefert werden. Möglich ist auch, dass die Pharmaindustrie bei der Medikamentenherstellung andere Prioritäten setzt, was die Produktion verzögert. Ein weiterer Grund könnte darin liegen, dass Medikamente zurückgehalten werden, weil deren Zulassungen sich nur schleppend entwickeln. Einen Hauptgrund für diese Engpässe kann Johanna Ambühl aber nicht nennen, da dies für die erfahrene Tierärztin nur Spekulation wäre.
Gibt es Verzögerungen bei den Hormonpräparaten, sind häufig Kleintiere wie Hunde und Katzen betroffen. Auch bei Pferdeimpfstoffen kommt es aufgrund unzureichender Mengen zu Lieferverzögerungen. Sind Antibiotika Mangelware, betrifft dies insbesondere Nutztiere wie Kühe, bei denen die Präparate direkt in das Euter injiziert werden. Es gibt momentan aber alternative Medikamente und Impfstoffe, die auf andere Weise verabreicht werden können. Bei den Kühen könnte man beispielsweise durch Injektion in die richtige Vene oder den Muskel eine Alternative einsetzen.
Noch gibt es alternative Präparate
Laut Ambühl hat sich die Situation im Kanton bisher noch nicht so stark zugespitzt, dass Tierärzte nicht mehr auf Alternativen zurückgreifen und die Tiere nicht mehr behandeln können. Dennoch sind die Praxen gefordert, sich organisatorisch und logistisch gut aufzustellen: Es müssen Impftermine verschoben werden, die Praxen müssen Fachwissen haben und flexibel sein, wenn es darum geht, alternative Therapiewege zu gehen.