News und Lebenshilfe für die «Bananenscheindemokratie»
Irgendetwas muss der «Schparz» richtig machen. Seit dem Jahr 1887 gibt es in Chur Fasnachtszeitungen. Sie hiessen «Churer Narrenzeitung», «Schleckgütterli», «D'Schnorra» oder «Runzla». Den «Schparz» gibt es seit dem Jahr 1967, seit 2002 erscheint er als einzig verbliebene Fasnachtszeitung, gewissermassen also als Monopolmedium zur närrischen Zeit. Das dürfte mit der Nachrichtenwert-Theorie zusammenhängen. Im Jahr 1922 definierte ein gewisser Walter Lippmann zehn Kriterien, die eine Nachricht für das Publikum interessant machen.
Kriterium Sensationalismus
Laut der Theorie erhöhen Sensationen den Wert von Nachrichten. Diesbezüglich sucht der «Schparz» in der Bündner Medienlandschaft seinesgleichen. So enthüllt das Blatt heuer, warum Unternehmer Remo Stoffel die denkmalgeschützte Villa «Sumatra» beim Churer Bahnhof gekauft hat. Laut «Schparz» spekuliert Stoffel auf einen indonesischen Diplomatenpass «und damit eine Carte blanche für sein weiteres caritatives Wirken».
Selbstverständlich wirft der «Schparz» seinen gewohnt kritischen Blick auch auf den Baukartellskandal des vergangenen Frühsommers – und auf dessen Auswirkungen auf die Regierungsratswahlen. «Pietro da Trin» und «Marcus da Morissen» seien gewählt worden, «nicht, weil sie etwas können, sondern weil sie nichts gemacht haben».
Kriterium Prominenz
Prominente können nie schaden, wenn man Nachrichten an die Frau und den Mann bringen will. Auch hier lässt sich der «Schparz» in seiner 53. Ausgabe nicht lumpen. Je nachdem, wie freimütig man den Begriff der Prominenz interpretiert, wimmelt es davon auf den zwölf Seiten im quadratischen Format nur so. Erwähnung findet beispielsweise Kinochefin Rita Kalberer, die angeblich bereits eine neue Initiative plant. «Eishockeyspielen soll demnach nur in der Altstadt und angrenzenden Grünflächen wie der Quaderwiese erlaubt werden», berichtet der «Schparz».
Quasi von Amtes wegen prominenter Gast in den «Schparz»-Spalten ist Stadtpräsident Urs Marti. Mal steht er den Nutzerinnen und Nutzern der fiktiven «Schparz»-Card angeblich für ein Selfie-Shooting zur Verfügung, mal misst er sich als Ringer mit seinen beiden Stadtratskollegen Tom Leibundgut und Patrik Degiacomi. Oder er teilt sich künftig das Büro mit Werber Ivo «Fifi» Frei, der übrigens laut «Schparz» Peter Peyer in die Regierung gehievt und die Mountainbike-WM auf die Lenzerheide geholt hat.